Wenn der Hund wegen einer Zahnstein-Entfernung unter Narkose muss, denken viele Halter: „Das ist doch eine OP, die übernimmt doch bestimmte die Versicherung?“ Das ist aber ein Irrtum. Denn Tier-OP-Versicherungen springen in diesem Fall nicht ein.
Der Grund: Eine Zahnstein-Entfernung gilt als prophylaktische Maßnahme, nicht als medizinisch notwendiger, chirurgischer Eingriff. Das bestätigen uns drei befragte Versicherer – Helvetia, Uelzener und Hanse-Merkur.
„Die Zahnstein-Entfernung ist eine Maßnahme, um Zähne gesund zu erhalten. Sie zählt im Rahmen einer Routine-Untersuchung zur Gesundheitsvorsorge“, erklärt beispielsweise die Helvetia. Sie falle daher nicht unter die Definition einer Operation im Sinne der Tier-OP-Versicherung.
Anders sieht es beim Ziehen von Zähne aus: „In den Tarifen mit Vollkostenschutz werden Zahnextraktionen im Rahmen einer OP übernommen. Für den reinen OP-Tarif gilt das jedoch nicht“. Wurzel- oder Wurzelspitzenresektionen gelten laut Definition der Helvetia beispielsweise als OPs. Andere Maßnahmen dienen laut Helvetia zum Zwecke der Zahnerhaltung und gelten daher nicht als operative Eingriffe.
Zahnstein-Entfernung ist keine OP
Bei der Uelzener Versicherung ist das ähnlich: „Bei einer Zahnstein-Entfernung wird unsere OP-Definition nicht erfüllt“, erklärt Felix Garlipp, Prokurist und Bereichsleiter Produktmanagement. Versichert seien Eingriffe, bei denen der Arzt die Haut und das darunterliegende Gewebe mehr als punktförmig durchtrenne. Die Zahnstein-Entfernung erfolgt laut Garlipp jedoch mithilfe eines Ultraschallgerätes. Dabei durchtrennt der Arzt nicht das Zahnfleisch.
Zieht ein Tierarzt jedoch einen Zahn, muss er das Zahnfleisch chirurgisch öffnen. „Die Zahnstein-Entfernung erstatten wir im kausalen Zusammenhang beim Ziehen eines Zahnes“, erklärt Garlipp.
Das sind die häufigsten Tier-Zahn-OPs
Die bei Tieren am häufigsten durchgeführten Zahn-Operationen sind laut dem Experten der Uelzener: Zahnextraktionen, Zahnfüllungen, Wurzelbehandlungen, Wurzelresektionen, Frakturversorgungen des Kiefers und Kieferresektionen. „Es gilt grundsätzlich die in den Bedingungen vereinbarte OP-Definition und die Voraussetzung einer Narkose.“
Bei der Hanse-Merkur gilt: Eine Zahnstein-Entfernung gilt bei dem Versicherer – auch unter Narkose – als prophylaktische Maßnahme. Daher übernimmt der Versicherer die Kosten nicht.
Ausnahme: Zahnstein-Entfernung bei gleichzeitiger Zahnextraktion
Eine Ausnahme von dieser Regel: „Die Zahnstein-Entfernung wird erstattet, wenn sie begleitend zur Zahnextraktion durchgeführt wird und unter derselben Narkose vorgenommen wird.“ Der Grund: Diese Maßnahme säubere die Maulhöhle und beuge Infektionen an der Stelle der entfernten Zähne vor.
Was genau als OP gilt und was nicht und wie Versicherte dennoch die Kosten für eine Zahnstein-Entfernung erstattet bekommen können, lesen Sie auf der zweiten Seite.
Was bei der Hanse-Merkur als OP gilt und was nicht
Als OP im Sinne der Hanse-Merkur Tier-OP-Versicherung gelten alle chirurgischen Eingriffe, die medizinisch notwendig sind und unter Narkose oder Schmerzausschaltung durchgeführt werden. Dazu zählen insbesondere:
- Zahnextraktionen: Wenn ein Zahn aufgrund von Erkrankungen wie Parodontitis, Zahnfrakturen oder anderen pathologischen Veränderungen entfernt werden muss.
- Wurzelbehandlungen: Werden als medizinisch notwendige Eingriffe ebenfalls übernommen, sofern sie im Rahmen einer Operation erfolgen.
- Korrekturen von Zahn- und Kieferanomalien: Vorausgesetzt, sie sind medizinisch indiziert und dienen nicht rein kosmetischen Zwecken.
Was können Versicherte tun?
Wer sichergehen möchte, dass Zahnstein-Entfernung abgesichert ist, kann beispielsweise Zusatzbausteine nutzen:
- Helvetia: Der „Pet-Care Zahnzusatzschutz“ umfasst professionelle Zahnreinigung, Gebisskorrekturen und Zahnprothesen (sofern medizinisch notwendig). Über die jährliche Vorsorgepauschale bei den Tarifen Kompakt- und Komfortschutz können sich Versicherte auch die Zahnstein-Entfernung erstatten lassen.
- Uelzener: Über den Zahnzusatzbaustein kann eine professionelle, prophylaktische Zahnreinigung und Zahnstein-Entfernung mitversichert werden. Voraussetzung für die Kostenerstattung: Die Maßnahme erfolgt unter Narkose.
- Hanse-Merkur: In der Tier-Krankenversicherung können sich Versicherte Kosten für Zahnreinigung und Zahnstein-Entfernung als Vorsorge über die jährliche Gesundheitspauschale von 100 Euro erstatten lassen.
Fazit: Wer glaubt, die OP-Versicherung decke automatisch alle tiermedizinischen Eingriffe unter Narkose ab, liegt falsch. Versicherer differenzieren streng zwischen akuter Behandlung und Vorsorge. Nur wenn laut Definition der Versicherer eine echte Operation vorliegt, etwa beim Ziehen eines Zahns, übernehmen sie die Kosten. Wer bei seinem Hund regelmäßig Zahnstein entfernen lässt, sollte daher prüfen, ob sich ein Krankenversicherungstarif mit Vorsorgepauschale oder ein Zahnzusatzschutz lohnen könnte.