Das Konto leergeräumt bekommen. Gefälschte Rechnungen bezahlen. Beim Kauf übers Ohr gehauen werden. Kein Zweifel, was Unternehmen können, können Privatmenschen ebenfalls. Und zwar nicht zu knapp. Gleichwohl sind Cyberversicherungen – die vor solchen Schäden im Netz schützen sollen – bisher vor allem für Gewerbekunden im Gespräch. Gibt es sie überhaupt für Normalos? Die private Cyberversicherung?
Die schöne Antwort lautet: ja. Wenngleich die Auswahl der Tarife zunächst nicht besonders üppig daherkommt. Für eine aktuelle Bestandsaufnahme ist uns die Scoring-Firma ASCORE tatkräftig zur Seite gesprungen und hat sich im Markt umgehört.
Mit dem Ergebnis: 15 Versicherer bieten generell die private Cyberversicherung an, wobei die Arag mit gleich sechs Tarifen am Start ist. Doch nicht alle sind als Einzelvertrag abschließbar.
So gibt es die private Cyberversicherung bei Cosmos, Konzept & Marketing, Rheinland Versicherung und Rhion.Digital nur als Baustein in der Hausratversicherung. Bei der Janitos Versicherung ist er in die Privathaftpflichtversicherung einbettbar. Und die Signal Iduna bietet das für Hausrat- und Haftpflichtpolice gleichermaßen an. Bei der Arag indes handelt es sich präziserweise um Internet-Rechtsschutzversicherungen, die aber leistungstechnisch locker mit den anderen mithalten können. Die Tarife lassen sich wahlweise separat abschließen und an bestehende Rechtsschutzversicherungen andocken.
Hier die Übersicht mit aktueller ASCORE-Wertung:
- Advocard Internet-Rechtsschutz (4 Kompasse)
- Arag Saferyou Basis (4 Kompasse)
- Arag Saferyou Komfort (5 Kompasse)
- Arag Saferyou Premium (5 Kompasse)
- Arag Web@ktiv Basis (4 Kompasse)
- Arag Web@ktiv Komfort (5 Kompasse)
- Arag Web@ktiv Premium (5 Kompasse)
- Bavaria-Direkt Cyber-Versicherung Sorglos-Online (3 Kompasse)
- Cosmos Onlineschutz Plus (2 Kompasse)
- Debeka Cyberversicherung 4 Kompasse
- Ergo Direkt Internet-Schutzbrief (2 Kompasse)
- Inter Cyber-Guard (6 Kompasse)
- Janitos Online-Schutz (3 Kompasse)
- Konzept & Marketing Cyber Baustein (3 Kompasse)
- Nürnberger Internetversicherung (3 Kompasse)
- Rheinland Cyber (4 Kompasse)
- Rhion.digital Cyber (4 Kompasse)
- Signal Iduna PHV Premium + Baustein Privat-Haftpflicht Cyber (3 Kompasse)
- SV Sparkassenversicherung Internet-Schutz (5 Kompasse)
- VGH Versicherungen Cyberschutz (5 Kompasse)
Anne Peters, die den Fachbereich Komposit bei ASCORE leitet, freut sich über die Auswahl und sagt: „Private Cyberpolicen verlassen die Nische: Mit Smart-Home, Online-Banking und Social Media steigen die möglichen Gefahren. Entscheidend sind klare Leistungen zu Identitätsdiebstahl, Ransomware, Cybermobbing und Datenwiederherstellung – passend zum individuellen Nutzungsprofil.
Unser Scoring zeigt: Struktur zählt. Wer Risiken nach Online-Handel, Banking, Datenverlust, Persönlichkeitsschutz und Security-Software bewertet, wählt zielgerichteter. Private Cyberversicherung wird damit vom Nice-to-have zum Baustein moderner Vorsorge.“
Wenn die Cyberversicherung an einem anderen Vertrag gekoppelt ist, muss das übrigens nicht immer ein Nachteil sein. Ganz im Gegenteil, wie die Signal Iduna ausführt: „Die Kunden sind mit der Hausratversicherung und Privathaftpflichtversicherung bereits vertraut, sodass ein zusätzlicher Baustein leichter verständlich ist als ein ganz neues Produkt. Für die Vermittler ist die Hürde, die Absicherung anzusprechen, geringer, da sie das im Rahmen eines vertrauten Produktes tun können.“
Seite 2: Viele unterschiedliche Sublimits
Die Inter Versicherungsgruppe sieht das ganz ähnlich, denn sie teilt mit: „Es ist ein zusätzlicher Vertrag. Bausteine lassen sich leichter in bestehende Verträge integrieren und können so die Hürde für den Abschluss senken. Nutzen und Umfang sind aber oft nicht direkt erkennbar.“
Und welche Schäden treten am häufigsten auf? Fast durchweg alle antwortenden Versicherer nennen Betrug beim Online-Einkauf als häufigsten Vorfall. Als besonders teuer fügt die Inter missbrauchte Zugangsdaten im Online-Banking hinzu. Bei der Arag treten Cybermobbing und rufschädigende Inhalte ebenfalls sehr häufig auf. Und die Signal Iduna hat auch mit Schadsoftware wie Ransomware (Erpressersoftware) und Identitätsdiebstahl zu tun. Am Ende ergibt sich ein Katalog der täglichen Internet-Gefahren ohne besondere Überraschungen.
Es ist ganz klar, dass Makler mit ihren Kunden passgenau auf die Leistungen schauen müssen. Nicht jeder kauft viel im Netz ein, hat einen streamingfähigen Fernseher oder ist auf Instagram aktiv. Doch schauen wir einmal, was die Tarife bieten, die ASCORE mit fünf oder sechs Kompassen bewertet und die somit ziemlich üppig ausgestattet sein dürften. Folgende sind es:
- Arag Saferyou Komfort (5)
- Arag Saferyou Premium (5)
- Arag Web@ktiv Komfort (5)
- Arag Web@ktiv Premium (5)
- Inter Cyberguard (6)
- SV Internetschutz (5)
- VGH Versicherungen Cyberschutz (5)
Ob es nun Pharming, Phishing, Skimming oder Sonstwassing heißt – der Effekt ist derselbe: Kriminelle erschleichen sich Karten- oder Online-Daten und räumen das Konto aus. Versichern tun das alle Anbieter, doch die Versicherungssummen weichen deutlich voneinander ab. So klotzt die Arag mit 200.000 Euro (Komfort) oder gar 300.000 Euro (Premium), während die Inter bei 15.000 Euro und die SV bei 20.000 Euro je Fall deckeln.
Wohlgemerkt: Auch das kann locker reichen, denn nicht jeder hat mehr als 20.000 Euro mit entsprechendem Überweisungslimit auf dem Konto oder kauft in dieser Größenordnung online ein.
Ebenfalls zum Standard gehören abgesicherte Schäden durch missbrauchte Identität und Gebühren für zu ersetzende Karten und Dokumente, Schutz bei Käufen oder Verkäufen im Internet (auch hier Sublimits beachten!) und wiederherzustellende Daten und Computersysteme.
Seite 3: Die eine ganz besonders knifflige Angelegenheit
Nicht alle sind hingegen dabei, wenn nach erlittenem Cyberangriff Software wiederzubeschaffen ist und wenn der Versicherte unbewusst Schadsoftware weiterverbreitet und andere dafür Schadenersatz verlangen. Letzteres decken nur Debeka, Inter, Signal Iduna und VGH ab.
Ein ebenfalls wichtiger Aspekt – nicht zuletzt wegen der sozialen Medien – ist die Frage, ob die Cyberversicherung bei Cybermobbing und verletztem Persönlichkeitsschutz zur Seite springt. Auch hier die gute Nachricht: Ja, die meisten tun das. Rechtswidrig veröffentlichte persönliche Daten, Erstgespräch beim Anwalt, psychologische Beratung und Kosten, um schlimme Inhalte löschen zu lassen, sind abgedeckt (Sublimits teilweise auch hier).
Unterschiede treten hingegen in einer besonders kniffligen Angelegenheit auf: Wenn nämlich das eigene, minderjährige Kind andere mobbt. Melden die dann Geschädigten Haftpflichtansprüche an, übernehmen das nicht alle Versicherer.
Von den Topbenoteten ist nur die VGH dabei. Außerdem noch Konzept & Marketing (bis 500 Euro), und die Signal Iduna übernimmt es mit, wenn die Kinder in der Privathaftpflichtversicherung mit eingeschlossen sind.
Unterm Strich mag die Auswahl übersichtlich erscheinen. Aber es lässt sich zweifellos was mit ihr anfangen. Und dann erstmal ordentlich im Netz shoppen gehen.