Neue Serie: Der Produkt-Check, Teil 1

Der Congenial privat C78 der Condor – hanseatisch, aber heiß

Im Dschungel der Versicherungstarife ist es schwierig, die Perlen zu finden. Daher starten wir eine neue Serie: Jeden Monat stellt unser Gastautor Christian Geier, Vorstand der FP Finanzpartner AG und dort unter anderem zuständig für die Produktauswahl, in seiner Kolumne ein Produkt vor, und gibt seinen Senf dazu. Los geht‘s mit dem „Congenial privat C78“ der Condor.
© FP Finanzpartner
Christian Geier, ist Vorstand der FP Finanzpartner AG und dort unter anderem zuständig für die Produktauswahl und Sicherung der Beratungsqualität.

Hinweis: Die Artikel dieser Serie spiegeln die Meinung des Autors nach sorgfältiger Prüfung des Tarifs wider. Sie sind als Impuls für Vermittler gedacht, sich näher mit den vorgestellten Produkten zu befassen, entbinden die Leser aber nicht von einer eigenständigen Analyse und Bewertung der Tarife. Andere Meinung sind herzlich willkommen, nutzen Sie dazu einfach das Kommentarfeld unter den Artikeln.

Länger als zehn Jahre ist es jetzt her, dass das Produktinformationsblatt (PIB) in Deutschland eingeführt wurde. Und man will sich gar nicht ausmalen, mit welch vogelwilden Kostenstrukturen die Altersvorsorgetarife davor oftmals ausgestattet waren. Abermillionen davon schwirren übrigens noch herum.

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Im Gegensatz zum neuen Basisinformationsblatt (BIB) sind die Informationen auf dem PIB nämlich in der Praxis verwertbar. Ein Blick ins BIB gefällig?

„Wenn Sie den Vertrag nach 30 Jahren einlösen, beträgt die Höhe der Gesamtkosten 5.743,92 Euro bis 22.014,77 Euro.“

Das ist eine ziemlich unnütze Botschaft, wird aber noch getoppt von der „Auswirkung auf die Rendite pro Jahr (Reduction in Yield): 1,17 Prozent bis 3,73 Prozent“.

Das sind Originalpassagen aus dem BIB des Condor Congenial privat C78 E, der neuen fondsgebundenen Rentenversicherung. Aussagekraft: ziemlich nahe 0. Gerade die Reduction in Yield ist doch Schönfärberei. Der Kunde will wissen, was am Ende im Vertrag ist. Fertig.

Und da kommt das PIB gerade recht. Da steht beim gleichen Tarif (32 Jahre Laufzeit/Beitragszahlungsdauer und 100 Euro monatlicher Beitrag):

  • Abschlusskosten: 2,5 Prozent (auf die Beitragssumme)
  • Verwaltungskosten: 4 Prozent (auf jeden Beitrag)
  • Versicherungsmantelkosten: 0,564 Prozent pro Jahr (auf das Vertragsvermögen)
  • Fondskosten (Easy Mix dynamisch): 0,289 Prozent pro Jahr (auch auf das Vertragsvermögen)

Mit einer geeigneten Software kommt man zu dem Ergebnis, dass die Kostenbelastung über die Laufzeit bei 5 Prozent Fondsrendite bei 10.100 Euro liegt und am Ende mehr als 72.000 Euro für die Verrentung zur Verfügung stehen.

Wer nun als Vergleich einen Robo-Advisor wie den Markführer Scalable gegenüberstellt, der eine Gebühr von 0,75 Prozent pro Jahr für die Verwaltung erhebt auf das Fondsvermögen und noch einmal 0,19 Prozent für die ETFs, der bekommt als Ergebnis, dass hier Kosten von 9.200 Euro am Ende stehen. Also gerade einmal 900 Euro weniger als bei der fondsgebundenen Rentenversicherung der Condor.

Wenn man nun ins Kalkül zieht, dass durch Fondswechsel in der Ansparphase beim Robo auch noch Abgeltungssteuer anfällt und die Verrentung über einen Auszahlplan mit negativem Cost-Average-Effekt abläuft und schon gleich gar nicht lebenslang ist, dann stellt sich schon die Frage, warum man das für die Altersversorgung empfiehlt – was leider in Nicht-Fach-Publikationen oft genug passiert. Versicherungen sind halt böse…

An diesen Fakten – und über nichts anderes sprechen wir hier – sieht man schon, was in den vergangenen Jahren speziell auf der Kostenseite bei den Versicherern passiert ist. Und die Condor setzt mit dem aktuellen Tarif eben die neue Benchmark. Und es gibt noch mehr, was einem an dem Tarif gut gefallen kann.

  • Die Fondsauswahl ist richtig fein: ETFs, ETF-Portfolios von Vanguard und Dimensional, und bei den aktiven Fonds auch jeweils die günstigeren Tranchen (beim Templeton Growth Euro etwa die Variante mit nur 0,92 Prozent laufender Kosten pro Jahr, statt der mit 1,83 Prozent. Vorsicht, wenn Sie letzteren in einer anderen Police sehen!)
  • Es gibt keinen Schlussüberschuss, den man aufgrund vorzeitiger Kündigung wieder verlieren könnte. Alles was der Kunde hat, bleibt beim Kunden.
  • Gut für Versicherungsmakler, die von sich selbst sagen, dass sie keine Investment-Experten sind: Die Fondsqualität wird laufend von Scope geprüft, die Kunden werden über den „Fondsservice“ (einfach googeln bitte) transparent informiert.
  • Geld kann in der Ansparphase UND in der Rentenphase entnommen werden, das ist Top-Flexibilität. Dabei bitte aufpassen, dass bei der Beantragung schon eine Rentengarantiezeit oder Restkapital-Option gewählt wird, sonst sind Entnahmen während der Bezugszeit ausgeschlossen.
  • Es können mehrere Teilrenten vereinbart werden.
  • Auch für 80-jährige Kunden ist der Einstieg noch möglich – bei anderen Anbietern kämen diese schon lange nicht mehr zum Zug. Mit 85 Jahren muss aber von Rechts wegen spätestens die Rente beginnen.
  • Die Rechnungsgrundlagen bei Vertragsschluss bleiben auch bei Zuzahlungen und Beitragserhöhungen (bis zu üppigen 1.666 Euro monatlich) erhalten.

Verbunden mit der Tatsache, dass die Condor eine 100-prozentige Tochter des Versicherungsriesen R+V ist, ergibt das eine gute – und dabei immer ehrliche – Altersvorsorge-Story.

Warum es in meiner Punktewertung (siehe unten) doch Abzüge gibt, liegt unter anderem daran,

  • dass die oben angegebenen Rechnungsgrundlagen vom Versicherer verändert werden dürfen, wenn die Beitragsfreistellung länger als 36 Monate dauert;
  • dass eine Dynamik nach dreimaliger Nicht-Ausübung erlischt (das hat man einfach nicht mehr);
  • dass in der Software immer noch die hanebüchenen 9 Prozent jährliche Performance voreingestellt ist und ebenso die fragwürdige Nettomethode ohne die Fondskosten, die meines bescheidenen Erachtens nach inzwischen verboten gehört.

Fazit: Der Condor Congenial privat C78 ist der Fondspolicen-Tarif, der versicherungsfremden Vorsorgearten das Fürchten lehrt. Hanseatisch kühl kalkuliert und gerade deswegen ziemlich heißes (Altersvorsorgewerk-)Zeug.

9 Punkte (von 10)

Über den Autoren

Christian Geier, Jahrgang 1974, ist Vorstand bei der FP Finanzpartner AG und dort unter anderem zuständig für die Produktauswahl und Sicherung der Beratungsqualität. Zudem leitet er dort das umsatzstärkste Ressort „Personenversicherungen“. Der promovierte Kultur- und Betriebswirt berät dabei immer noch seine eigenen Kunden und lebt und arbeitet im niederbayerischen Straubing.

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2 Antworten

  1. Als Ergänzung zu dem Artikel,
    die Kosten sind bei 0,047% pro Monat, also 0,564% pro Jahr
    und das PIB gibts nur bei Riester und Rürup, bei einem Privatvertrag wie dem C78 gibts nur das BIB

  2. Hallo Herr Weber, danke für den Hinweis. Das mit den Kosten war tatsächlich ein Fehler und wird im Text korrigiert (die Kosten belaufen sich so auf 700 € mehr bei der Condor über die gesamte Laufzeit). Auch das mit PIB und BIB ist korrekt. Ich meinte tatsächlich das PIB der ersten Stunde aus dem Jahr 2008 als Ausfluss der VVG-Informationspflichtverordnung. Seit 2017 gilt die Bezeichnung PIB offiziell nur mehr für zertifizierte Altersversorgungs- und Basisrentenverträge. Die Angaben aus dem alten PIB sind aber nach wie vor da und m.E. maßgeblich. Bei der Condor stehen sie in den „Verbraucherinformationen“. Sehr babylonisch das alles, aber sehr aufmerksam von Ihnen, Herr Weber. Schöne Grüße, C. Geier

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