Eigenanteile im Vergleich

Wo der Pflegeheimplatz besonders teuer ist

Gut 860 Euro trennen die Bundesländer mit der höchsten und der niedrigsten Eigenbeteiligung in der vollstationären Pflege voneinander. Und das sind nur die landesweiten Durchschnitte. Und wie teuer ist Pflege in den Ländern und sogar in einzelnen Kreisen? Eine Studie zeigt es.
© picture alliance / Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa
Spielnachmittag im Pflegeheim in Uftrungen: In Sachsen-Anhalt liegen die Eigenanteile für vollstationäre Pflege noch verhältnismäßig niedrig

Pflege ist nicht gleich Pflege. Schon gar nicht, wenn es um die Kosten geht. Denn die zu zahlenden Eigenanteile weichen stark voneinander ab, je nachdem, wo man sich pflegen lässt. Besonders niedrig liegen sie in manchen Kreisen in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Die höchsten sind in Nordrhein-Westfalen anzutreffen.

Das ermittelte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Rahmen der Studie „Eigenbeteiligung in der vollstationären Pflege“. Dafür werteten die Autoren Preisdaten von 10.820 vollstationären Pflegeheimen in Deutschland aus, die auf der Plattform „pflegelotse.de“ des Verbands der Ersatzkassen zu finden sind. Damit wollen sie Kostenunterschiede auf Kreisebene für die vollstationäre Pflege in Deutschland erkennen und nachsehen, woran das liegt.

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Die Suche verlief erfolgreich. Die Wissenschaftler fanden deutliche regionale Differenzen in den zu tragenden Eigenbeteiligungen. Die setzen sich aus den einrichtungseinheitlichen Eigenanteilen, den Unterkunfts- und Verpflegungskosten und den Investitionskosten zusammen. Sie weichen sowohl zwischen den Bundesländern als auch innerhalb der Bundesländer voneinander ab.

  • Pflegesätze legen Heimbetreiber, Pflegekassen und -versicherungen und Sozialhilfeträger in den Pflegesatzverhandlungen fest. Sie müssen die Kosten für die Pflegeleistungen und für die soziale Betreuung decken
  • Kosten für die Unterkunft umfassen Heizung, Warmwasser, Zimmerreinigung und sonstigen hauswirtschaftlichen Service. Sie werden komplett auf die Heimbewohner umgelegt und ebenfalls in den Pflegesatzverhandlungen bestimmt
  • Kosten für die Verpflegung entsprechen den Kosten für die Mahlzeiten. Heimbewohner zahlen sie komplett
  • Investitionskosten sind Kosten für die Finanzierung der Gebäude, Abschreibungen und Instandhaltung. Sie entsprechen laut IW in etwa der Kaltmiete einer Wohnung und können auf die Heimbewohner umgelegt werden (müssen aber nicht)

Nimmt man die Summe der Komponenten, tritt ein deutliches Stadt-Land-Gefälle hervor. Neben Entgeltunterschieden hängt insbesondere die Miete mit allen Kostenkomponenten mit der vollstationären Pflege zusammen: In Regionen mit hohen Wohnkosten liegen die Preise für vollstationäre Pflege folglich sichtlich höher.

Zudem scheinen Heime Größenvorteile nutzen zu können. Denn die Kosten für den vollstationären Heimaufenthalt liegen im Durchschnitt in größeren Einrichtungen niedriger als in kleineren. Allerdings spielen in der Studie Qualitätsmerkmale keine Rolle.

Hier sind die Bundesländer mit ihren durchschnittlichen Eigenanteilen in Euro pro Monat. Bemerkenswert ist dabei die Standardabweichung. Sie zeigt, wie weit die Einzelwerte im Schnitt vom Mittelwert entfernt liegen. Man könnte das auch als Streuung bezeichnen.

Bundesland Mittelwert Eigenbeteiligung (inkl. Invest-Kosten) Standardabweichung
Nordrhein-Westfalen 3.314 496
Bremen 3.244 1.442
Baden-Württemberg 3.242 375
Saarland 3.207 316
Berlin 2.952 400
Bundesebene 2.948 524
Rheinland-Pfalz 2.941 222
Hessen 2.921 417
Bayern 2.914 485
Hamburg 2.893 357
Thüringen 2.712 338
Sachsen 2.705 456
Schleswig-Holstein 2.699 331
Brandenburg 2.680 375
Mecklenburg-Vorpommern 2.586 548
Niedersachsen 2.585 391
Sachsen-Anhalt 2.456 339

Offenbar gelingt es den Stadtstaaten Hamburg und Berlin, vollstationäre Pflege günstiger anzubieten als viele Flächenländer. Demnach befindet sich die Heimpflege in einem Spannungsverhältnis zwischen Größenvorteilen und negativen Effekten durch die hohe Bevölkerungs- und Infrastrukturdichte (Agglomerationseffekt).

Die komplette Studie mit vielen weiteren Zahlen und Fakten können Sie hier herunterladen.

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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