Kürzlich gab der Versicherer Zurich bekannt, mit welchen zwölf Start-up-Unternehmen er künftig zusammenarbeiten will. Um nicht zu sagen: Die Zukunft meistern will. Und in der Tat läuft bei sämtlichen Gewinnern der „Zurich Innovation Championship“ ohne Künstliche Intelligenz nicht viel. Stattdessen zeigen die Geschäftsmodelle sehr unterschiedliche Facetten von dem, was heutzutage und vor allem morgen schon möglich ist. Wir haben uns die Kandidaten angesehen und zeigen Ihnen einmal, was die so machen.
Caruso Dataplace
Das fünf Jahre alte Unternehmen aus Mannheim betreibt eine Datenbank. Darin bündelt es Informationen über viele verschiedene Autos und Automarken, die es standardisiert und aufeinander abstimmt und dann an Interessenten verkauft. Das können alle möglichen Teilnehmer der Auto-Branche sein – auch Versicherer.
Bei den Daten geht es um fast alles rund um die Autos: Fahrverhalten, Fahrzeugflotten, technische Eigenschaften, Service-Termine und, und, und … und natürlich: Versicherungen. Wundert jetzt nicht wirklich.
Garanteasy
Sie kennen das: Mal wieder haben Sie ein neues Gerät gekauft und vom Hersteller dafür Garantie bekommen. Doch wohin mit den Unterlagen? Garanteasy aus Mailand will diese Sorge abnehmen und dabei helfen, den Wust an Garantien im Griff zu behalten.
Kunden können sämtliche Garantie-Unterlagen in einer Cloud speichern. Dafür brauchen sie nur den Garantieschein mit dem Smartphone zu fotografieren und per E-Mail einzusenden oder in einem privaten Bereich hochzuladen. Bei bestimmten Online-Händlern geht das schon automatisch beim Kauf.
Anschließend kümmert sich Garanteasy um die Sachen. Es hilft bei Garantiefällen und warnt kurz bevor Fristen auslaufen. Außerdem kann man Bedienungsanleitungen archivieren. Damit man zu Hause nicht ständig danach suchen muss.
Keepers.ai
Achtung, Eltern, aufgepasst! Das Software-Unternehmen aus Israel bietet eine App, die Kinder vor den Gefahren des Internets schützen soll. Dafür überwacht sie, was die Kinder in Sozialen Medien anstellen und mit wem sie wie kommunizieren. Sollte etwas Verdächtiges oder möglicherweise Schädliches dabei sein oder gar Cybermobbing ins Spiel kommen, schlägt sie bei den Eltern Alarm. Außerdem blockt sie schädliche Internetseiten oder gibt Signal in Echtzeit, ob das Kind gerade eine besucht.
Bei all diesen Dingen nutzen die Israelis Künstliche Intelligenz, die laut Eigenauskunft ständig hinzulernt. Keine schlechte Idee, bei dem Tempo im Sozialen Netz.
Adapt Ready
Das Unternehmen mit Standorten in den USA und dem Vereinigten Königreich hat sich zur Aufgabe gemacht, den globalen Datenwust zu bändigen. Dafür sammelt es Daten rund um den Globus, wertet sie mittels Künstlicher Intelligenz aus und speist so eine riesige Risiko-Datenbank.
Die stellt sie Versicherern, Rückversicherern, Investoren, Finanzinstituten und anderen Unternehmen zur Verfügung, damit die in ihren Portfolios Risiken erkennen und besser handhaben können.
Seite 2: Einfach in eine Kamera schauen
Binah.ai
Der IT-Dienstleister aus Israel ist auf den Gebieten Gesundheit und Wellness unterwegs. Er bietet Systeme an, mit denen Menschen mit ganz normalen Geräten wie Laptops oder Handys ihre Gesundheitsdaten messen, übertragen und auswerten lassen können. Angeblich können Nutzer in weniger als einer Minute eine große Bandbreite an Informationen über ihre Gesundheit herausfinden, einfach in dem sie in die Kamera ihres Geräts schauen. Sogar den Blutdruck soll man kontaktlos messen können.
Die Systeme bietet Binah.ai Unternehmen aus allen möglichen Branchen an, die Gesundheitsdaten ihrer Kunden benötigen. Zum Beispiel Pharma-Unternehmen, Versicherer und Wellness-Dienstleister.
One Concern …
… ist was für Risikoanalysten. Das Unternehmen mit Sitz in Kalifornien bildet die echte Welt digital ab und klopft das Abbild zusammen mit Kunden anschließend auf Gefahren ab. Dabei geht es zum Beispiel um Naturkatastrophen, Extremwetter und den Klimawandel.
Kunden sollen somit versteckte, strukturelle Risiken für ihr eigenes Unternehmen, aber auch für ihr Netzwerk erkennen können.
Anagog
Der IT-Dienstleister aus Israel hat ein System entwickelt, das Smartphone-Daten, auch über die eingebauten Sensoren, von Nutzern auswertet. Kunden können damit erfahren, wie sich wiederum ihre Kunden verhalten, beziehungsweise welche Vorlieben und Gewohnheiten sie haben.
Unternehmen sollen dadurch ihre Kunden besser kennenlernen und diese Kenntnisse für Werbung und Geschäfte nutzen können. Um die Daten auszuwerten, nutzt Anagog Künstliche Intelligenz.
Natürlich sollen auch die Kunden etwas davon haben, wenn ihre Daten bei Unternehmen landen. Sie sollen dadurch noch besseren und passenderen Service bekommen.
Democrance …
… ist ein Dienstleister aus Dubai, der sich auf Versicherer spezialisiert hat. Dank seiner Technologie-Plattform sollen Versicherer einfacher und schneller in neue Marktsegmente einsteigen können. Speziell in noch junge Märkte, die hauptsächlich über Mobilgeräte laufen.
Dabei soll die Plattform die gesamte Kette digital und automatisch abdecken: Marketing, Vertrieb, Schadenbearbeitung. Versicherer sollen sich somit auch bisher noch erreichte Kundengruppen erschließen können.
Andere Unternehmen sollen sich ebenfalls einklinken und ihren Kunden Versicherungen anbieten können. Nämlich die der anderen Plattform-Teilnehmer.
Seite 3: Der wahrscheinlich längste Wetterbericht der Welt
Lisa Insurtech …
… hat seinen Sitz in Chile und will die Versicherungswelt ein großes Stück digitaler machen. Es unterhält drei Zweige, die sich auf unterschiedliche Dinge spezialisiert haben. Lisa Claims nimmt Schadenmeldungen entgegen und bearbeitet sie. Lisa Gateway verbindet verschiedene Protagonisten der Versicherungsbranche und stimmt ihre Abläufe ab. Und Lisa TMT sammelt Informationen in Echtzeit und wertet sie aus. Sobald etwas Verdächtiges passiert, das auf Versicherungsbetrug hindeutet, meldet sie es dem Versicherer.
Schon klar, dass bei alldem Künstliche Intelligenz mit eingebunden ist, oder?
Deedster
Die digitale Plattform aus Schweden soll Menschen dabei helfen, umweltfreundlicher zu werden. Sie können über angebotene Tools herausfinden, wie ihr Verhalten das Klima beeinflusst und wie sie das ändern können (Stichwort: CO2-Fußabdruck). Das bietet Deedster für Einzelpersonen, aber auch Unternehmen an – auf Wunsch individuell angepasst.
Dynamhex …
… aus den USA bietet Systeme an, mit denen Unternehmen oder Städte messen und vorhersagen können, wie viel Energie sie verbrauchen und wie viel Kohlendioxid sie ausstoßen. Das Unternehmen sammelt Daten, wertet sie aus und stellt fest, wie die Beteiligten den CO2-Ausstoß senken können. Und über einen angeschlossenen Marktplatz sucht es nach Investoren für die beschlossenen Klimaprojekte.
Salient
Das Unternehmen aus den USA sammelt und wertet Daten aus Ozeanen und von der Landoberfläche aus, um die „weltweit präziseste subsaisonale bis saisonale Wettervorhersage von bis zu 52 Wochen im Voraus“ anzubieten. 52 Wochen! Natürlich mithilfe Künstlicher Intelligenz.
Die Wetterberichte bietet sie anschließend Geschäftskunden aus unterschiedlichsten Branchen an.