Serie „Guter Mix statt Entweder-Oder“ Teil 8

Finfluencer versus Berater

Finanzberater haben neue Konkurrenten: Finfluencer begeistern die jungen Generationen. Jetzt gilt es, die eigenen Stärken auszuspielen – und vielleicht auch die Mittel der Konkurrenz zu nutzen.
© frimufilms / freepik
Ein junger Finfluencer filmt sich selbst: Finfluencer erreichen die Generation Z und fordern klassische Finanzberater heraus.

Finfluencer (Finanz-Influencer) nutzen soziale Medien oder eigene Blogs und Podcasts, um ihren Followern Finanzthemen näher zu bringen. Insbesondere für die jüngeren Generationen spielen sie eine wichtige Rolle in der Finanzbildung. Viele versuchen den komplexen Bereich der Geldanlage auf anschauliche und verständliche Art einer breiten Masse zugänglich zu machen. Das Spektrum, das geboten wird, ist breit. Es reicht von solider Aufklärungsarbeit bis hin zu speziellen Anlagetipps inklusive des Versprechens auf schnellen Reichtum. Einige haben sich auf Krypto oder den Aktienbereich spezialisiert, Female Finance oder nachhaltiges Investieren können ebenfalls Schwerpunkte sein. Ihr Einfluss vor allem auf Jüngere ist enorm. Nicht nur deren starkes Interesse an Kryptowährungen, sondern auch ihre vergleichsweise hohe Bereitschaft, in Aktienmärkte zu investieren, ist sicherlich zum großen Teil auf Finfluencer zurückzuführen. 

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Sind Finfluencer die neuen Finanzberater? 

Da drängt sich die Frage auf: Sind Finfluencer die neuen Finanzberater? Immerhin 60 Prozent der Anleger aus den Generationen Y und Z betrachten soziale Medien als gute Alternative zur professionellen Beratung. Das ergab eine Umfrage der Bafin aus 2024 unter 18- bis 45-Jährigen, die in den vergangenen zwei Jahren Geld investiert hatten. Allerdings hat die Bafin im Februar auch klargestellt, dass Finfluencer in der Regel keine Anlageberatung leisten. Der Grund: Sie verbreiten ihre Informationen nur über öffentliche Kanäle, haben in der Regel keinen direkten Kontakt zu den einzelnen Followern und geben entsprechend keine individuellen Empfehlungen.  

Diese Einschätzung hat für Unmut in der Beraterschaft gesorgt, denn damit fallen Finfluencer unter keine Regulierung. Nach Ansicht des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) verkenne diese Sichtweise die Einflussnahme von Finfluencern vor allem auf junge Leute. „Es kann nicht sein, dass professionelle Versicherungs- und Finanzanlagenvermittler strengen Regularien unterliegen, während Finfluencer mit oftmals fragwürdigen Empfehlungen Millionen von Anlegern beeinflussen – ohne jede Kontrolle“, so BVK-Präsident Michael H. Heinz.  

Berater müssen sich der Situation stellen, dass sie neue Konkurrenten haben, auch wenn diese offiziell keine Anlageberatung betreiben dürfen. Finanzberater sind gefragt, ihre Stärken auszuspielen. Nur sie können mit einer persönlichen Betreuung der Kunden punkten. Sie können auf die Lebensumstände und individuellen Bedürfnisse des Einzelnen eingehen. Sie können maßgeschneiderte Lösungen finden, mit den Kunden diskutieren und zum Abschluss bringen. Als Finfluencer kann sich jeder bezeichnen. Vermittler von Versicherungen oder Finanzanlagen und Honorarberater hingegen brauchen eine Erlaubnis der IHK und müssen ihre Sachkunde nachweisen. Sie unterliegen Regeln und Pflichten, die vor allem dem Kundenschutz und der Beratungshaftung dienen.  Und: Keiner hält sie davon ab, soziale Medien zu nutzen, um sich neuen Kundengruppen zu öffnen. Ein Finfluencer betreibt nach Bafin-Auffassung keine Anlageberatung und fällt unter keine Regulierung, aber ein regulierter Vermittler kann sich mit seinem Wissen nebenbei in den sozialen Medien als Finfluencer betätigen und so junge Kunden gewinnen.  

Als Fazit lässt sich festhalten: Die Praxis, ein Produkt als universelle Lösung für alle anzupreisen, wie es Finfluencer gerne tun, ist äußerst problematisch. Stattdessen ist eine fundierte und individuelle Beratung wichtiger denn je, um den unterschiedlichen Bedürfnissen und Anforderungen gerecht zu werden. 

 

Autorin

Sabine

Groth

Sabine Groth schreibt seit über 20 Jahren schwerpunktmäßig über Geldanlage sowie weitere Finanz- und Wirtschaftsthemen, seit 2009 als freie Journalistin. Zu ihren Auftraggebern zählen vor allem Fachmagazine und -portale.

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