Studie des Flossbach von Storch Research Institutes

Warum das US-Vorsorgesystem effizienter ist als das deutsche

Dass das deutsche System zur Altersvorsorge nicht ganz einfach ist, ist nicht neu. So richtig deutlich wird das allerdings, wenn man es mal mit dem US-amerikanischen vergleicht. Ein Volkswirt des Flossbach von Storch Research Institutes hat das getan und zieht ein deutliches Fazit.
Hat gerade seinen kompletten Vorsorgeplan verloren: John McClane (Bruce Willis) in „Stirb langsam 4.0“
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Hat gerade seinen kompletten Vorsorgeplan verloren: John McClane (Bruce Willis) in „Stirb langsam 4.0“

Auch die größten Action-Helden müssen vorsorgen. Zum Beispiel der von Bruce Willis verkörperte New Yorker Polizist John McClane aus den „Stirb Langsam“-Filmen. Als er im vierten Teil mit dem Titelzusatz „4.0“ dem Online-Terroristen Thomas Gabriel in die Quere kommt, löscht der ihm kurzerhand den Vorsorgesparplan. Und McClane darf dabei zusehen und kann nichts dagegen tun. Wirklich schlimm, für einen wie ihn.

Auch der Videospiel-Held Max Payne bangt zwischen zwei Schießereien um seine „blutbefleckte“ Altersvorsorge, sein „bloodstained 401(k)“. Worauf beide Werke anspielen, sind die in den USA weit verbreiteten sogenannten 401(k)-Pläne. Sie sind eine beliebte Form, betrieblich fürs Alter vorzusorgen. Und geht es nach den Volkswirten vom Flossbach von Storch Research Institute, dann taugen sie als Beispiel, wie man eine effektives und hochgradig unkompliziertes Vorsorgesystem auf die Beine stellen kann.

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In seiner Studie „Sparen in Deutschland und den USA – ein Vergleich“ vergleicht der Volkswirt Sven Ebert das 401(k)-System mit einem Highway und das deutsche System mit einem Dschungel. Ein Bild, das sich durch die gesamte Studie zieht und das Ergebnis gleich vorwegnimmt. Den Ausschlag geben dabei die steuerlichen und regulatorischen Regeln.

Nimmt man das US-System, könnte man sich das kaum einfacher vorstellen. Benannt nach dem dafür verantwortlichen Teil im Steuergesetz, gibt es den 401(k) seit 1978. 2006 kam die nach dem ehemaligen Senator William Roth benannte zweite Version hinzu. Der Unterschied liegt in der Steuer: Den Klassiker bespart man aus dem Brutto und senkt so die Steuerlast. Dafür ist die Rente steuerpflichtig. Und beim Roth-Plan spart man aus versteuertem Einkommen und kassiert später die komplette Rente steuerfrei.

Ein pauschaler Gesamtdeckel für alle reicht aus

Derzeit dürfen Arbeitnehmer bis zu 23.000 Dollar pro Jahr einzahlen, nach 22.500 Dollar im Jahr 2023. Ans Einkommen gekoppelte Grenzen (wie in Deutschland) gibt es nicht. Und die sind auch nicht nötig, weil die meisten Menschen ganz automatisch nur so viel sparen, wie sie können. Das Einkommen ist ein wichtiger Faktor für diese sogenannte Sparfähigkeit. Ein pauschaler Gesamtdeckel für alle reicht aus und erspart eine Menge Rechnerei.

Bei den Investments haben die Sparer weitgehend freie Hand, Garantien gibt es nicht. Beides führt gekoppelt mit dem entspannten Verhältnis der Amerikaner zu Aktien zu enorm hohen Aktienquoten. Ebert zitiert eine Studie, wonach die Sparer unter 40 Jahren bis zu 90 Prozent in Aktien liegen haben. Was sich natürlich an der Rendite ablesen lässt.

Wechselt der Sparer den Job, kann er den 401(k)-Plan mitnehmen, sofern der neue Arbeitgeber mitspielt. Damit steht er nach drei Jobwechseln nicht automatisch mit vier Verträgen da – und hat im Idealfall entsprechend weniger Gebühren bezahlt.

Ähnlich lässig geht es auch in der Rentenphase zu. Die Pflicht zur Rente gibt es nicht, und größere Entnahmen sind zum Teil möglich. Es gibt allerdings den Zwang, das Kapital ab einem bestimmten Alter anzuzapfen. Insgesamt kann diese Lockerheit Manche dazu verleiten, ihr Geld zu schnell auszugeben. Ein Argument, das die Versicherungsbranche in Deutschland durchaus zu Recht immer wieder anführt. Lebenslange Renten verhindern, dass das Geld verbraucht ist und der Rentner noch lebt.

Seite 2: Über zehn unterschiedliche Modelle in der Vorsorge

Studienautor Sven Ebert lässt keinen Zweifel daran, dass er viel vom 401(k)-System hält. Die Transparenz ermögliche den Menschen, „die ihnen übertragene Verantwortung in der Kapitalanlage wahrzunehmen“, lobt er und schreibt: „Gerade die Simplizität macht die 401(k)-Pläne zu einer Erfolgsgeschichte.“

Doch – und das muss man noch hinzufügen – Sparer müssen diese Verantwortung auch wahrnehmen wollen. Sie müssen sich für Fonds und Anbieter entscheiden. Sie müssen dem Drang widerstehen, ihr Geld im Alter zu schnell aufzubrauchen. Das kann nicht jeder. Muss man deshalb alle anderen einschränken? Darüber lässt sich streiten.

Volkswirt Sven Ebert vom Flossbach von Storch Research Institute
Volkswirt Sven Ebert vom Flossbach von Storch Research Institute

Und in Deutschland? Wo fangen wir an, wo hören wir auf, die unterschiedlichen Modelle aufzuzählen? Es gibt die Riester-Rente, die Rürup-Rente, die sonstige betriebliche Altersversorgung (bAV) und Pensionsfonds. Für manche sind Garantien vorgeschrieben, für andere nicht. Bei manchen müssen die Vorsorgeanbieter feste Renten zusagen („Defined Benefit“), bei anderen nicht. Der mit 401(k) vergleichbare Ansatz „Lossparen und am Ende schauen, was rauskommt“ sollte als sogenanntes Sozialpartnermodell im Jahr 2017 frischen Wind bringen. Doch mehr als ein laues Lüftchen ist das noch nicht. Denn vor allem Gewerkschaften pochen nun mal auf Garantien. Beitragshöhen sind an (vergangene) Jahreseinkommen gekoppelt. Steuerfreiheit und Sozialabgabenfreiheit für Beiträge sind mal gedeckelt und mal nicht. Und dann auch noch unterschiedlich hoch. Haben wir was vergessen? Ganz sicher. Allein für die bAV zählt Ebert über zehn unterschiedliche Modelle.

Tatsächlich stellt er fest, dass die Steuerregelungen in Deutschland ein Stück weit den 401(k)-Regeln ähneln. „Allerdings belaufen sich die Freibeträge nur auf 15 beziehungsweise 30 Prozent des US-Niveaus“, so der Volkswirt.

Abfuhr vom Wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestags

Ähnlich schwierig und meistens unmöglich ist es, Vorsorgeverträge beim Jobwechsel mitzunehmen. Immerhin könne man das bei Pensionskasse, Pensionsfonds und Direktversicherung tun, heißt es in der Studie. Doch nur bis zu einem Übertragungswert von etwa 90.000 Euro. Wer denkt sich so etwas eigentlich immer aus?

Wohlgemerkt, das ist hier nur ein verkürzter Ritt über den Highway und durch den Dschungel. Und amerikanische Verhältnisse sind auf Deutschland nicht so ohne weiteres übertragbar. Trotzdem erscheint das sinnvoll, was Ebert am Ende seiner Studie vorschlägt: „Man sollte sich auf eine Zusageart konzentrieren und diese weitestmöglich vereinfachen. Simplizität muss Priorität haben, damit Transparenz entsteht und selbstbestimmtes Sparen möglich wird.“ Ohne Garantien, besser übertragbar und steuerlich viel stärker gefördert.

Eine Abfuhr für das 401(k)-System gab es im Jahr 2019 durch den Wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestags (den kompletten Kommentar finden Sie hier). Der stellte fest: „Mit 401(k)-Programmen übereinstimmende Altersvorsorgeprodukte wären in Deutschland nicht als betriebliche Altersversorgung im Sinne des BetrAVG anzusehen, da es sich weder um einen zulässigen Durchführungsweg noch um eine mögliche Zusageart handle.“

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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