Solvenzquoten 2018

20 Versicherer schwächeln, 27 sind stabil und 36 zeigen sich stark

Die Solvenzquoten der 84 deutschen Lebensversicherer hierzulande sind sich im Schnitt um 9,57 Prozent gestiegen. Das zeigt eine Auswertung der aktuellen Solvenzberichte der Unternehmen. 12 Anbieter stehen aber weiter unter einer „Manndeckung“ der Aufsichtsbehörde Bafin. Hier kommen die Details.
© Policen Direkt
Henning Kühl, Chefaktuar und Experte für Lebensversicherungen bei Policen Direkt.

„Die Versicherer haben den erneuten Solvenztest bestanden“, sagt Henning Kühl, Chefaktuar des Policenhändlers Policen Direkt. „Die stabilen Zinsen von 2018 und sicher auch die Neuregelung der Zinszusatzreserven spiegeln sich in der Verbesserung der Quoten wider, genau wie das Neugeschäft, das sich mehr und mehr von klassischen Garantien verabschiedet.“

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Jedes Jahr müssen die Versicherer in Europa im Rahmen des Eigenmittelregimes Solvency II ihre Solvenzquoten veröffentlich. Diese Werte sollen zeigen, wie stabil und krisenfest ein Versicherer ist, und ob er auch in extremen Stress-Szenarien in der Lage wäre, die Verpflichtungen gegenüber seinen Kunden zu erfüllen. Bei einem Wert von 100 schaffen sie das.

Zum dritten Mal liegen diese Berichte nun vor. Policen Direkt hat diese ausgewertet und das Ergebnis auf der Website solvenzquoten.de veröffentlicht. Dort findet man auch die Solvenzquoten der einzelnen Versicherer. Die Solvenzquoten der 84 untersuchten deutschen Lebensversicherer haben sich danach im Schnitt um 9,57 Prozent verbessert.

Die wichtigsten Zahlen der Auswertung in Kürze

  • Aufsichtsrelevante Brutto-Quote: 493 Prozent (2017: 450 Prozent)
  • Netto-Quote: 273,67 Prozent (273,24 Prozent)
  • MCR-Quote: 704 Prozent (731 Prozent)
  • 12 Versicherer mit Netto-Quote < 100 (2017: 11)
  • 4 Versicherer mit MCR-Quote < 100 (2017: 4)
  • 26 Versicherer haben sich bei der aufsichtsrelevanten Quote im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert, 58 verbessert.
  • Wirkung der Bilanzierungshilfen = plus 80 Prozent (2017: 65 Prozent)
  • Solvenzberichte sind im Schnitt 91 Seiten stark (von 40 bis 163 Seiten)
  • Kein Versicherer bei der Netto-Quote = 0 (2017: 0)

Ohne Bilanzierungshilfen schaffen 12 den Schwellenwert nicht

66 der 84 Versicherer nehmen für ihre Solvenzberichte Bilanzierungshilfen in Anspruch, die von der Bafin genehmigt sind. Laut Auswertung hätten zwölf Versicherer ohne diese Hilfen den Schwellenwert von 100 nicht erreicht. Das ist eine Gesellschaft mehr als noch im Vorjahr.

Die MCR-Quote gibt an, ob die Versicherer in der Lage sind im Normalbetrieb, also ohne Stress-Szenario, aktuelle Verpflichtungen gegenüber ihren Kunden zu erfüllen. Vier Anbieter schaffen das derzeit nicht.

Policen Direkt hat die Versicherer, je nach Finanzstärke und Spielraum, in drei verschiedene Korridore eingeteilt.

Die Schwächelnden: 20 Unternehmen haben Probleme
(Nettoquote unter 150 Prozent)

20 Unternehmen stünden laut der Analyse mit einer Solvenzquote ohne Bilanzierungshilfen von unter 150 Prozent aktuell vor Problemen, sofern sie noch Neugeschäft betreiben wollten. Bei der Wahl der Produkte für das Neugeschäft und bei der Höhe der Überschussbeteiligung seien sie eingeschränkt.

Die Stabilen: 27 Unternehmen ganz gut gerüstet
(Nettoquote 150–300 Prozent)

27 Unternehmen sieht Aktuar Kühl im grünen Bereich, mit einer Nettoquote von 150 bis 300 Prozent, und damit weitgehend finanzstark und gerüstet für Extremszenarien. Sie seien in der Lage, ihre Versprechen gegenüber den Kunden auch in Zukunft zu halten.

Die Starken: 36 Unternehmen mit Spielraum für Garantien
(Nettoquote über 300 Prozent)

36 Unternehmen könnten ihren Kunden aktuell höhere Leistungen anbieten, da sie über schöne Finanzpolster verfügten. Höhere Leistungen könnten zum Beispiel in Form von Überschüssen oder Garantien im Neugeschäft an die Kunden weitergegeben werden.

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