Neue Branchenstudie

Die fünf größten Irrtümer über die Beratung der Gen Z

Die Gen Z ist ganz anders aufgewachsen als frühere Generationen und hat daher spezielle Vorlieben, wenn es um ihre Beratung zur Altersvorsorge und zu Finanzen geht. Hier sind die fünf am weitesten verbreiteten Mythen über diese Generation und ihr Wahrheitsgehalt.
Junge Frau kontrolliert ihre Finanzen: Junge Kunden möchten bei komplexen Produkten weiterhin eine persönliche Beratung.
© picture alliance / PantherMedia | Andriy Popov
Junge Frau kontrolliert ihre Finanzen: Junge Kunden möchten bei komplexen Produkten weiterhin persönliche Beratung.

Über die Generation Z (Gen Z) gibt es zahlreiche Mythen und Missverständnisse. Eins davon: „Die Gen Z will alles digital lösen.“ Das stimmt so schlicht nicht. Zu dieser Erkenntnis gelangte eine aktuelle Studie der Bankenforen, Versicherungsforen Leipzig und des Digital Impact Labs.

An der quantitativen Online-Befragung nahmen 1.017 Menschen im Alter von unter 20 bis 25 Jahren in Deutschland teil. Es fanden außerdem qualitative Interviews mit drei Expertinnen aus Finanz und Bildung statt.

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Wir haben die fünf wichtigsten Irrtümer über die Gen Z zusammengefasst und mit Aussagen der Studie auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft.

Irrtum 1: Die Gen Z will keine persönliche Beratung

Das stimmt so nicht. Viele Branchenakteure glauben, dass junge Kunden ausschließlich digitale Kanäle nutzen – also Apps, Video-Calls oder Chatbots. Die Studie zeigt aber: 70 Prozent der Befragten wünschen sich für ihre Finanzen lieber ein persönliches Beratungsgespräch. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch eine Studie der R+V (Pfefferminzia berichtete).

Besonders junge Frauen legen Wert auf direkten Austausch: 84 Prozent möchten vor Ort beraten werden. Männer sind etwas offener für digitale Kanäle. Aber auch 66 Prozent von ihnen bevorzugen persönliche Beratungsgespräche.

Beratungstermine am Telefon sind mit 24 Prozent beziehungsweise 27 Prozent bei Frauen und Männern am zweitbeliebtesten. Kurz dahinter folgen E-Mails mit 18 beziehungsweise 21 Prozent sowie Online-Chats mit 11 Prozent bei den weiblichen Befragten und 22 Prozent bei den Männern.

Irrtum 2: Die Gen Z besitzt umfassendes Finanzwissen

Das ist ein großer Irrtum. Obwohl sich rund 70 Prozent der jungen Befragten für Finanzthemen interessieren, hindern sie signifikante Wissenslücken und die Furcht vor falschen Entscheidungen an einer souveränen Finanzplanung, so das Fazit der Studie. Ob Sparen, Altersvorsorge oder Versicherungen – das Wissen junger Menschen ist deutlich geringer als oft angenommen.

Nur knapp jeder Dritte (39 Prozent) schätzt sein Finanzwissen als gut oder sehr gut ein. Ähnlich sieht es bei Themen wie Versicherungen und Finanzmarktprodukten aus. Hier empfinden sich nur 30 bis 40 Prozent der Umfrageteilnehmer als kompetent. Bei Frauen sieht die Lage noch schlimmer aus. Fast 40 Prozent von ihnen sind laut eigener Einschätzung bei Finanzmarktfragen schlecht oder sehr schlecht informiert.

Diese Wissensdefizite führen zu einer zentralen Hürde: der Angst vor Fehlentscheidungen. Die Hälfte der Befragten (50 Prozent) gibt dies als größte Herausforderung an, die sie daran hindert, sich um die eigene Finanz- und Vorsorgeplanung zu kümmern.

Auf der folgenden Seite lesen Sie, was an den Gerüchten dran ist, dass Social-Media-Beiträge klassische Beratung ersetzen und wie konsumorientiert die junge Generation tatsächlich ist.

Irrtum 3: Social Media ersetzt die klassische Beratung

Das ist falsch. Zwar nutzen 70 Prozent der jungen Befragten am liebsten Social-Media-Kanäle wie Youtube, Tiktok und Instagram, um sich zu informieren. Aber die Ergebnisse zeigen auch: Social Media ist zwar eine relevante Informationsquelle für junge Menschen, aber keineswegs die wichtigste. Persönliche Netzwerke wie Familie und Freunde sowie klassische Online-Medien stehen bei ihrer Informationssuche zu Finanz- und Versicherungsthemen weiterhin an erster Stelle.

Auch noch ganz spannend: Nur 13 Prozent der Befragten in der Studie gaben an, Influencern und deren Empfehlungen zu vertrauen. Für 61 Prozent der Befragten sind Influencer und ihre Empfehlungen nicht wichtig. (Was Unternehmerin Celine Nadolny von der Finfluencer-Branche und ihren Geschäftsmodellen hält, lesen Sie hier.)

 Irrtum 4: Die Gen Z will nur Geld ausgeben

Hier herrscht ein völlig falscher Eindruck vor. Zu den zentralen Erkenntnisse der Studie gehört, dass die Gen Z ein starkes Bedürfnis nach finanzieller Sicherheit und Stabilität hat. Das spiegelt sich vor allem in ihren Zielen wie dem Erwerb von Immobilien und der Altersvorsorge wider. Für Konsum legen nur 36 Prozent der Befragten Geld zur Seite.

Die Sparprioritäten der jungen Generation sind ganz klar andere:

  • Große Investitionen: 62 Prozent
  • Langfristige finanzielle Freiheit: 58 Prozent
  • Absicherung gegen Risiken: 49 Prozent

Dieser Generation ist es vor allem wichtig, ihren Ruhestand finanziell abzusichern (83 Prozent Zustimmung) sowie für langfristige Stabilität und Verlässlichkeit zu sorgen (82 Prozent). Wie sie das genau planen, erklären wir in diesem Artikel. Nachhaltigkeit als Kriterium ist scheinbar out: Nur noch 44 Prozent gaben an, dass ihnen Ethik und Nachhaltigkeit bei ihren Investitionen wichtig sind.

Auf der folgenden Seite lesen Sie, was an dem fünften Gerücht dran ist, dass junge Kunden Banken und Versicherungen nur wenig vertrauen.

Irrtum 5: Das Vertrauen in Banken und Versicherungen ist gering

Ja und nein, es könnte speziell für Versicherungsberater besser laufen. Bei Finanzfragen haben junge Leute klare Favoriten. Ganz oben auf der Vertrauensskala stehen Familie und Freunde. Fast drei Viertel (rund 74 Prozent) der Befragten schenken ihrem privaten Umfeld ihr Vertrauen. Direkt danach folgen die klassischen Finanzinstitute, die ebenfalls hohes Ansehen genießen. Banken bringen knapp 64 Prozent der jungen Erwachsenen etwas oder sehr viel Vertrauen entgegen. Versicherungen erreichen mit rund 58 Prozent in diesen Vertrauenskategorien einen ähnlich starken Wert.

Für Beratungen wenden sie sich am liebsten an ihre Bankberater (34 Prozent), Familienmitglieder oder Freunde (27 Prozent) und dann erst an ihre Versicherungsberater (22 Prozent). Wichtigste Kriterien für Beratung sind den Umfrageteilnehmern vor allem: Vertrauen (72 Prozent), Verständlichkeit (71 Prozent), Fachwissen (67 Prozent) sowie Transparenz (41 Prozent).

Wie es Versicherungsberatern gelingen könnte, junge Kunden besser abzuholen? Sie könnten beispielsweise neue Formate ausprobieren. Die junge Generation informiert sich laut der Studie am liebsten über Youtube-Videos (67 Prozent), persönliche Beratungsgespräche (43 Prozent) sowie visuelle Darstellungen (34 Prozent). Podcasts, interaktive Inhalte und lange, ausführliche Texte kommen deutlich schlechter an: Nur 17 bis 20 Prozent nutzen diese Möglichkeiten.

Autorin

Barbara Bocks ist seit 2011 als Journalistin im Wirtschafts- und Finanzbereich unterwegs. Seit Juli 2024 ist sie als Redakteurin bei der Pfefferminzia Medien GmbH angestellt.

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