Demografie in Deutschland

Warum die Geburtenrate trotz Kinderwunsch weiter sinkt

Wieder weniger Babys, aber der Wunsch nach Kindern bleibt, nur eben für später. Zwischen 2021 und 2024 ist die Geburtenrate in Deutschland deutlich gesunken. Der Kinderwunsch? Unverändert hoch. Warum viele junge Menschen ihre Familienplanung aufschieben und was Unsicherheit damit zu tun hat, zeigt eine neue Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung.
Krabbelndes Baby: Die Geburtenrate in Deutschland ist von 2021 auf 2024 auf 1,35 Kinder pro Frau gesunken.
© picture alliance / Zoonar | Iuliia Zavalishina
Krabbelndes Baby: Die Geburtenrate in Deutschland ist von 2021 auf 2024 auf 1,35 Kinder pro Frau gesunken.

Die Geburtenrate in Deutschland ist zwischen 2021 und 2024 deutlich von 1,58 auf 1,35 Kinder pro Frau gesunken. Dahingegen blieb die darüber liegende Zahl der gewünschten Kinder im gleichen Zeitraum stabil. Dies zeigt eine aktuelle Auswertung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BIB). Die Zahlen basieren auf dem familiendemografischen Panel Freda. Befragt wurden repräsentativ ausgewählte Menschen im Alter von 18 bis 52 Jahren, die in Deutschland wohnen.

Frauen wünschen sich laut dem Panel im Schnitt 1,76, Männer 1,74 Kinder. Diese Zahl ist deutlich mehr als aktuell geboren werden. Die Forschenden sehen darin einen Hinweis, dass Personen geplanten Nachwuchs zunächst aufschieben.

Fertility Gap vergrößert sich

„Die durchschnittliche Anzahl der Kinder, die junge Erwachsene bekommen möchten, ist in den vergangenen Jahren konstant geblieben. „Sie liegt deutlich über der aktuellen Geburtenrate“, erklärt Bevölkerungsforscherin Carmen Friedrich vom BIB. Dadurch hat sich der sogenannte „Fertility Gap“, also die Lücke zwischen gewünschter Kinderzahl und Geburtenrate, zuletzt kräftig erhöht. Bei Frauen verdoppelte er sich auf 0,41.

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Gleichzeitig ist neben der Geburtenrate auch die konkrete Absicht, in naher Zukunft ein Kind zu bekommen, spürbar zurückgegangen. Zwischen 2021 und 2024 sank der Anteil der 30- bis 39-Jährigen, die in den kommenden drei Jahren ein (weiteres) Kind planen: bei Frauen von 28 Prozent auf 24 Prozent, bei Männern von 28 Prozent auf 25 Prozent.

„Kinder zu bekommen bleibt ein zentrales Lebensziel für die meisten jungen Menschen“, folgert Friedrich. Der derzeitige Geburtenrückgang zeige also keinen Rückgang der Familienorientierung, sondern weise vielmehr auf ein Aufschieben von Geburten hin. Mit der aktuellen Geburtenrate liegt Deutschland im Mittelfeld der europäischen Staaten. In anderen Industrienationen, wie Südkorea, liegt die Geburtenrate deutlich unter dem deutschen Wert.

Multiple Krisen als Ursache des Geburtenaufschubs

Eine Erklärung, warum junge Erwachsene ihren Kinderwunsch aufschieben, vermuten die Autoren der Studie in ihrer subjektiv empfundenen Unsicherheit. Diese ergibt sich wohl aus internationalen Krisen (Pandemie, Ukraine-Krieg, Klimawandel) sowie ungewissen wirtschaftlichen und persönlichen Rahmenbedingungen.

„Unsicherheit wirkt sich negativ auf die Familienplanung aus. Verlässliche Kindertagesbetreuung, bezahlbarer Wohnraum und politische Handlungsfähigkeit sind essenziell, um jungen Menschen Sicherheit zu geben“, meint Mitautor Professor Martin Bujard vom BIB. Diese Maßnahmen könnten dazu beitragen, dass vorhandene Kinderwünsche häufiger umgesetzt und nicht dauerhaft aufgeschoben werden.

Autorin

Barbara Bocks ist seit 2011 als Journalistin im Wirtschafts- und Finanzbereich unterwegs. Seit Juli 2024 ist sie als Redakteurin bei der Pfefferminzia Medien GmbH angestellt.

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