Pfefferminzia: Meine Herren, wir sind hier gerade sehr international zusammen. Cor Dücker ist Niederländer, Cian Gough ist Ire, Mediolanum sitzt in Italien, und Pfeffi ist deutsch. Wie schauen Sie von außen auf das deutsche Renten- und Vorsorgesystem?
Cor Dücker: Deutschland hat dieselben Probleme wie alle anderen auch. Die erste Säule wird in den kommenden 20 oder 30 Jahren nicht mehr bezahlbar sein. Das Umlagesystem wird schwächer oder sogar verschwinden. Die zweite Säule in Deutschland ist ziemlich schwach, das ist in Italien ähnlich.
Ist die betriebliche Altersversorgung dort auch nicht so verbreitet?
Dücker: Es gibt sie vielleicht in Großbetrieben mit Vorsorgekassen, Berufsverbänden und solchen Dingen. Das ist okay. Aber in kleinen Unternehmen gibt es keine Pflicht dazu. Dadurch entsteht eine Lücke, und die kann man nur füllen, indem man entweder das ganze System verändert. Das wird kaum gehen, weil es sehr komplex ist.
Oder?
Dücker: Oder man nutzt die dritte Säule mit der privaten Altersvorsorge.
„Die dritte Säule muss man kräftig ausbauen“
Das wundert mich jetzt kaum. Schließlich ist Mediolanum dort aktiv.
Dücker: So ist das nun mal. Diese dritte Säule muss man kräftig ausbauen und weiterentwickeln. Ich glaube, dass das größte Problem in Deutschland eine gewisse Ängstlichkeit ist. Wenn Sie in der dritten Säule ohne Aktien unterwegs sind, frisst die Inflation alles auf. Irgendwie muss Risiko ins System. Das muss aber so passieren, dass die Kunden sich damit wohlfühlen.
Weshalb Sie so ein bemerkenswertes System erschaffen haben und nutzen.
Cian Gough: Das Intelligent Investment System, das wir innerhalb unseres Mediolanum Life Plan verwenden. Dass es funktioniert, zeigt die Frauenquote in unserer Kundschaft. Normalerweise ist bei Geldanlagen nur ein kleiner Teil von Investoren weiblich. Bei uns machen Frauen aber 50 Prozent der Kundschaft aus. Sie investieren vorsichtiger als Männer, weshalb ausgerechnet unser System sie anspricht.
Das klingt erstmal nach einem Widerspruch. Frauen sind eigentlich vorsichtig, gehen mit Ihnen aber in die Aktienmärkte.
Gough: Weil es schrittweise erfolgt. Wir steigen mit der Startsumme über einen längeren Zeitraum ein, zum Beispiel über fünf Jahre. Das senkt das Risiko, den falschen Zeitpunkt erwischt zu haben.
„Wir haben Hebel eingebaut“
Also ein normaler Einzahlplan? Das ist nicht neu.
Dücker: Doch. Denn es ist zwar ein Einzahlplan, aber wir haben zusätzliche Hebel eingebaut.
Erhöhen Hebel nicht zusätzlich das Risiko?
Dücker: Hier nicht. Denn neben dem normalen Kosten-Durchschnitt-Effekt, fahren wir die Rate zusätzlich hoch, wenn die Kurse fallen. Sinken sie um 5 bis 10 Prozent, verdoppeln wir die Einzahlungssumme. Bei minus 10 bis 15 Prozent verdreifachen wir sie. Bei 15 bis 20 Prozent ist es die vierfache Summe und bei mehr als 20 Prozent Verlust ist es die fünffache.
Seite 2: „Ist das nicht zu forsch für manche Anleger?“
Verkürzt sich dadurch die Einzahldauer oder gleichen Sie das später wieder über herabgesetzte Raten aus?
Dücker: Die zusätzlichen Einzahlbeträge können zwar die Laufzeit der Zahlungen verkürzen, aber die Gewinnmitnahmen können sie wieder verlängern. Damit kommt es insgesamt auf das Marktverhalten während des Zeitraums an.
Das könnte manchem Anleger zu forsch sein.
Dücker: Nein, das ist es nicht. Denn wir erklären im Vorfeld genau, wie alles läuft und dass die Aktienmärkte langfristig Gewinne bringen. Kurzfristige Krisen tun natürlich weh. Doch sie bieten Kaufgelegenheiten, die wir nutzen müssen.
„Wir schöpfen automatisch Gewinne ab“
Vielleicht merken die Anleger das auch gar nicht.
Dücker: Doch, sie merken es. Aber wir erklären es, und dann verstehen sie, dass das die richtige Strategie ist. Man muss kaufen, wenn die Kurse abgestürzt sind. Aber viele haben Angst. Unser System hilft dabei, weil es rational und automatisch ist. Das Gleiche gilt übrigens auch für Gewinne. Sobald bestimmte Schwellen überschritten werden, schöpfen wir automatisch Gewinne ab und legen sie in sichere Geldmarktfonds.
Sind Italiener den deutschen Anlegern ähnlich?
Dücker: Ja, sehr. Sie sind auch keine großen Aktienfans und haben Mängel in ihren Finanzkenntnissen.
Das kommt mir tatsächlich bekannt vor. Wie sieht es denn in Irland aus?
Gough: Ein großer Unterschied ist, dass in Irland die Auswahl an Finanzberatern nicht so groß und gut ist wie in Deutschland. Das meiste läuft dort über die Banken. Wenn man aber etwas schlauer mit dem Geld umgehen will, geht das erst ab einer gewissen Summe. In Deutschland gibt es also mehr Hilfe. Das heißt aber nicht, dass die Deutschen das auch nutzen, denn dafür müssten sie erstmal hingehen.
„Irgendwann lernen wir uns richtig kennen“
Ist Aktienskepsis in Irland ebenfalls verbreitet?
Gough: Ich würde sagen, ja. Das ist mit Italien und Deutschland vergleichbar. Wir hatten ab 2008 eine große Finanzkrise, deren emotionale Spuren bis heute in den Köpfen vieler Menschen präsent sind. Aber immerhin sorgte der Brexit dafür, dass mehr und mehr Firmen nach Irland kommen. Da könnte sich was in eine gute Richtung entwickeln.
Wie wollen Sie den Deutschen die frohe Kunde Ihres Produkts näherbringen?
Gough: Indem wir mit Netzwerken, Plattformen und Pools zusammenarbeiten. Wir wollen die Berater erreichen, um eine Bühne zu bekommen und unser Produkt vorzustellen. Das ist nicht einfach, weil wir zunächst weniger bekannt sind. Dann kennen uns die Leute, haben aber nach einem Jahr wieder vergessen, worüber wir gesprochen haben. Wir müssen nach und nach auftauchen und erneut mit ihnen reden. Irgendwann lernen wir uns richtig kennen und dann geht es los (lacht).