BU-Absicherung in Staatshand

„Wie soll der Staat das bezahlen?“

Vor kurzem sorgten Verbraucherschützer und Gewerkschaften mit ihren Aussagen für Wirbel, eine BU sei für viele nicht bezahlbar, der private Versicherungsmarkt habe versagt und der Staat müsse die Sache wieder selbst in die Hand nehmen. Wir haben Versicherer zu ihrer Meinung zu diesen Aussagen und Forderungen gefragt. Hier gibt es die Ergebnisse.
© dpa/picture alliance
Reetdachdecker bei der Arbeit.

„Aus unserer Sicht muss man von einem Versagen des privaten Versicherungsmarktes sprechen“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. „Wir sind grundsätzlich der Meinung, dass die zentralen Lebensrisiken wie Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Erwerbsunfähigkeit in den gesetzlichen Sozialversicherungssystemen abgesichert sein sollten“, ergänzt Markus Hofmann vom Deutschen Gewerkschaftsbund.

Die Meinungen von Verbraucherschützern und Gewerkschaften zur Lage der BU-Absicherung in Deutschland sind deutlich. Der Staat soll es wieder richten, die privaten Versicherer machen es nicht richtig. Die Vorwürfe: Einen BU-Schutz bekommen nur die Gesunden mit wenig riskanten Berufen. Gerade die, die auf die Absicherung angewiesen sind – Handwerker & Co. – können sich die Police nicht leisten, müssen Ausschlüsse hinnehmen oder bekommen erst gar keine Versicherung wegen des hohen Risikos.

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Eine prompte Reaktion auf die Kritik gab es vom Versichererverband GDV: „Es ist die Geschäftsgrundlage der Lebensversicherer, möglichst allen Risikogruppen bezahlbaren Versicherungsschutz zur Absicherung ihrer Arbeitskraft anzubieten.“

Aber was sagen die Versicherer eigentlich selbst dazu? Wir haben bei einigen Häusern nachgefragt.

Risikogerecht = zu teuer

Der Volkswohl Bund beispielsweise gibt natürlich zu, dass es für körperlich Tätige nicht einfach ist, eine bezahlbare BU-Police zu bekommen: „Insbesondere für körperlich Tätige scheitert der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung häufig an den Prämien, die risikorecht kalkuliert sind, oft aber nicht im Verhältnis zum Einkommen stehen.“

Dafür habe man aber eben Alternativen entwickelt: „€XISTENZ sichert die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit ab, egal in welchem Beruf der Kunde arbeitet. Monatsprämien um 40 bis 50 Euro machen den Schutz für fast alle bezahlbar. Der Kunde erhält eine monatliche Rente, wenn er eine wichtige Fähigkeit verliert, die meist auch eine Grundvoraussetzung für seine Arbeitsfähigkeit ist.“ Dazu gehörten unter anderem der Gebrauch einer Hand, eines Arms, Gehen, Treppensteigen oder das Gleichgewicht halten.

Nur jeder Fünfte mit einer BU

Die Allianz antwortet auf ähnliche Weise: „Die Notwendigkeit einer angemessenen Absicherung des Berufs- und Erwerbseinkommens ist unbestritten und auch von Verbraucherschützen immer wieder gefordert. Allerdings können oder wollen sich viele eine Berufsunfähigkeitsversicherung nicht leisten. Nur etwa jeder Fünfte hat bislang das BU-Risiko abgesichert. Insbesondere für risikoträchtigere Berufsgruppen fehlte bislang eine attraktive Alternative bei dauerhafter Einschränkung von körperlichen und/oder geistigen Fähigkeiten sowie bei schwerer Erkrankung.“

Auch der Marktführer verweist dann auf seine Police, speziell für körperlich Tätige: „Vor diesem Hintergrund hat Allianz Leben besonders für die risikoträchtigen Berufsgruppen seit Mitte 2011 mit der Körperschutzpolice ein Produkt zur Einkommenssicherung auf den Markt gebracht, das vor allem für Menschen gedacht ist, die hauptsächlich körperlich tätig sind und die weniger einen ganz speziellen Beruf als vielmehr den Broterwerb als solchen versichert haben möchten.“ Diese Absicherung koste rund 40 Prozent des Beitrags einer BU-Absicherung und sei damit für die Berufsgruppen C und D eine interessante Alternative.

Berufsgruppendifferenzierung beschleunigt der Prozess

„In den vergangenen Jahren hat der Preis- und Bedingungs-Wettbewerb im Markt für BU-Versicherungen zugenommen. Wo früher viele Berufe zusammengefasst wurden und es so zu einem Risiko- und Beitragsausgleich kam, werden heute die Berufsunfähigkeitsrisiken individuell kalkuliert. In der Folge hat sich die Zahl der Berufsgruppen, anhand derer die Prämien kalkuliert werden, stark erhöht. Akademiker, die vorwiegend im Büro arbeiten, haben hiervon profitiert. Personen, körperlich schwer arbeiten, haben ein höheres BU-Risiko und zahlen eine vergleichsweise höhere Prämie“, erklärt die Alte Leipziger das Problem.

Die höheren Prämien aber als Begründung dafür heranzuziehen, die BU-Versicherung wieder in die gesetzlichen Sozialversicherungssysteme einzugliedern, lässt der Versicherer nicht gelten: „Dabei wird übersehen, dass es gibt Wege gibt, Risikozuschläge oder Ausschlüsse zu vermeiden.“

Über den Betrieb absichern

Dazu zähle etwa die Versicherung über den Betrieb. „Es gibt die Möglichkeit, sich im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung gegen das BU-Risiko zu versichern. Dabei gilt meist die Einteilung in nur zwei Berufsgruppen: die am Schreibtisch tätigen und alle übrigen. Größere bAV-Verträge erlauben den Risikoausgleich, von dem gesundheitlich vorbelastete Personen und Berufe profitieren.“

Einen nicht ganz unwesentlichen Punkt führt die Alte Leipziger außerdem als Fazit an: „Wer heute nach einer Sozialisierung des Berufsunfähigkeitsrisikos ruft, der muss auch sagen, wie er das bezahlen möchte. Schon die Finanzierung der bestehenden Sozialversicherungen ist in einer rasch älter werdenden Gesellschaft eine sehr große Herausforderung.“

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