Er wächst und wächst, und ein Ende ist erst mal nicht in Sicht: Der Markt der betrieblichen Krankenversicherung (bKV) entwickelt sich prächtig. 17.500 Unternehmen in Deutschland bieten ihren Mitarbeitern inzwischen eine komplett vom Arbeitgeber gezahlte bKV an. Das entspricht einem Wachstum von 34 Prozent gegenüber dem Jahr 2020 (13.100 Betriebe).
Die Zahl der Beschäftigten, die von einer bKV profitieren, stieg von 1,02 Millionen um 56 Prozent auf 1,59 Millionen Personen. Und so wird es wohl auch erst mal weitergehen. 54 Prozent der Unternehmen, die noch keine bKV im Angebot haben, stehen dieser offen gegenüber, beschäftigen sich konkret damit oder planen bereits, eine abzuschließen. Das hat eine repräsentative Studie des Marktforschers Infas quo im Auftrag der Allianz ergeben.
„Der Fachkräftemangel macht vielen Unternehmen zu schaffen. Und viele haben erkannt, dass eine bKV dazu beitragen kann, das Problem zu bewältigen“, sagt Jan Esser, Produktvorstand der Allianz Privaten Krankenversicherung. „Für Vermittlerinnen und Vermittler lohnt es sich also, Firmenkunden auf die bKV anzusprechen.“ Arbeitgeber könnten sich mit diesem „Extra vom Chef“ echte Vorteile im Wettbewerb um die besten Talente verschaffen.
Laut Studie sind es vor allem größere Unternehmen mit 50 bis 249 Mitarbeitenden, die konkret über den Abschluss einer bKV nachdenken: 24 Prozent beschäftigen sich intensiv damit. Bei Betrieben mit 250 und mehr Beschäftigten trifft das auf rund jeden fünften zu (18 Prozent). Von den Branchen her zeigen sich insbesondere Pflege-Einrichtungen und Krankenhäuser interessiert an einer bKV: Jeweils 25 Prozent der befragten Arbeitgeber planen hier einen Abschluss oder beschäftigen sich konkret damit. Ebenfalls sehr aufgeschlossen sind IT und Transportwesen. Gerade diese Branchen ringen besonders um Fachkräfte. Und Zusatzleistungen wie die betriebliche Krankenversicherung können im Vergleich zum Wettbewerb das entscheidende Zünglein an der Waage sein.
Bessere Versorgung über den Chef
Welche Vorteile hat eine bKV? Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten über den Arbeitgeber Zusatzversicherungen, die eine bessere Versorgung ermöglichen als über die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Möglich sind mehrere Bausteine, die der Arbeitgeber auswählt – etwa Zahnzusatztarife, die höhere Leistungen bei Zahnersatz vorsehen, oder eine Unterbringung im Zweibettzimmer im Krankenhaus mit Chefarztbetreuung. Daneben gibt es Budget-Tarife. Hier bekommt der Mitarbeiter ein festes Jahresbudget, beispielsweise 300, 600 oder 900 Euro, das er für Gesundheitsleistungen seiner Wahl einsetzen kann, etwa für ein Hörgerät, die neue Brille, eine umfangreiche Blutuntersuchung oder die professionelle Zahnreinigung.
Der Clou: Weil der Arbeitgeber die bKV für eine größere Gruppe abschließt, gibt es eine vereinfachte Gesundheitsprüfung für die Mitarbeitenden – wenn sie nicht gleich ganz entfällt. Auch Menschen mit Vorerkrankungen kommen daher in den Genuss der besseren Gesundheitsversorgung – je nach Tarif sind sogar laufende Behandlungen eingeschlossen. Unter Beschäftigten kommt diese Regelung offenbar gut an.
Das ergab jedenfalls eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Bei einer Befragung von mehr als 2.600 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in 600 deutschen Betrieben bezeichneten 63 Prozent den Verzicht auf die Gesundheitsprüfung als besonders attraktives Merkmal einer bKV.
Bis 50 Euro im Monat steuer- und sozialabgabenfrei
Das verstärkt sich noch einmal, wenn der Arbeitgeber die Beiträge für seine Beschäftigten zur bKV komplett übernimmt. Interessant für die Chefin oder den Chef dabei: Die Versicherungsbeiträge gelten seit 2020 nicht mehr als Bar-, sondern als Sachlohn. Deshalb sind sie bis zu einer Grenze von aktuell 50 Euro im Monat pro Mitarbeiter steuer- und sozialabgabenfrei.
Für Vermittlerinnen und Vermittler ist die betriebliche Krankenversicherung alles in allem also ein sehr lukrativer Markt. Zwar ist die Verbreitung in den vergangenen Jahren schon sprunghaft gestiegen – mit rund 40 Millionen Beschäftigten in Deutschland ist das Spielfeld aber immer noch enorm. Der Makler hat bei der bKV zudem ein nahezu stornosicheres Geschäft, da die Versicherung durch den Arbeitgeber finanziert oder zumindest initiiert wird und der Courtagehaftungszeitraum bei den meisten Anbietern bei nur zwölf Monaten liegt.
Unterstützung beim Verwaltungsaufwand
Manchmal fürchten Unternehmen und Vermittlerinnen und Vermittler auch den vermeintlich hohen Verwaltungsaufwand für die Implementierung einer bKV. Inzwischen bieten viele Versicherer hier aber eine umfangreiche Unterstützung an, beispielsweise mit einfachen und übersichtlichen digitalen Verwaltungsprogrammen.
Das sollte also kein Grund sein – weder für Betriebe noch für Vermittler –, sich nicht an diesen Boom-Markt mit all seinen Vorteilen heranzuwagen.