Wird das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) nicht zur Chefsache erklärt, droht es in den Unternehmen zum Rohrkrepierer zu werden. Zu diesem Fazit kommt die Studie „#whatsnext – Gesund arbeiten in der digitalen Arbeitswelt“. Das Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG) hat dafür zusammen mit der Techniker Krankenkasse (TK) und der Haufe Gruppe über 800 Geschäftsführende, Personaler und Verantwortliche für Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) befragt.
Neun von zehn Befragten (88 Prozent) benennen demnach die Führungskräfte als wichtigste Stellschraube für die Förderung der Beschäftigtengesundheit. Ebenfalls häufig genannt: Einsatz der Unternehmensleitung und größere personelle Ressourcen mit jeweils 74 Prozent. Die Chefs selbst verorten sich laut Studie nach den finanziellen Ressourcen an zweiter Stelle (siehe Grafik).
Somit erweisen sich die Führungskräfte als kritischer Punkt, wenn es darum geht, ein BGM zum Erfolg zu verhelfen. „Laut unseren Umfrageergebnissen sind die Chefs für ein wirksames und zukunftsfähiges BGM noch wichtiger als das Budget“, sagt Filip Mess, wissenschaftlicher Leiter des IFBG.
Versicherungsbranche besonders weit in Sachen BGM
Von einer flächendeckenden Verbreitung des BGM in Deutschland kann bislang keine Rede sein: In jedem elften Unternehmen gibt es laut Studie überhaupt keine Maßnahmen zur Gesundheitsförderung, knapp drei von zehn Betrieben bieten vereinzelte Angebote, vor allem in den Bereichen Ergonomie und Entspannung.
Nur etwas über ein Drittel (37 Prozent) der Befragten gibt an, dass in ihrer Organisation ein ganzheitliches BGM eingerichtet wird, das sich „gesunden Strukturen und Prozessen“ widme. Besonders weit in Sachen BGM sind der Studie nach vor allem Unternehmen der Finanz- und Versicherungsbranche.
Eine weitere Erkenntnis der Studienmacher lautet: Wird die Arbeitswelt digitaler, sind auch digitale Angebote zur Gesundheitsförderung gefragt. Daher müsse sich auch das Angebotsspektrum des BGM neu aufstellen, sagt Fabian Krapf, wissenschaftlicher Berater des IFBG. „Big Data sorgt dafür, dass Arbeit 4.0 vor allem immer komplexer wird, uns immer größere Mengen von Informationen zur Verfügung stehen. Beschäftigte brauchen künftig eine noch höhere Stresstoleranz.“
Betriebliches Gesundheitsmanagement müsse sich deshalb künftig noch mehr der Stressprävention und der Stressresilienz widmen, so Krapf. In der neuen Arbeitswelt wächst der Studie zufolge die Gefahr, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit immer weiter aufweichen.
„Führungskräfte müssen die Eigenverantwortung der Mitarbeiter stärken“, sagt Reiner Straub, Herausgeber des Personalmagazins. Das gehe von der technischen Infrastruktur über das Schnüren der Arbeitspakete bis zur Einschätzung der Selbstkompetenz der Mitarbeiter. Denn wer sich nicht gut organisieren könne, für den führe mobile Arbeit häufig zu mehr Stress, so Straub.