Betriebliches Gesundheitsmanagement

Türöffner für Makler ins Firmengeschäft

Durch ein betriebliches Gesundheitsmanagement steigern Arbeitgeber die Loyalität ihrer Mitarbeiter und sparen durch weniger krankheitsbedingte Ausfälle bares Geld. Makler wiederum können sich auf diese Weise den Zugang zu Unternehmen sichern. Welche Aktionen sinnvoll sind.
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Yoga-Enthusiasten in China üben eine Drehhaltung: Yogakurse werden auch im Rahmen eines betrieblichen Gesundheitsmanagements eingesetzt, um Mitarbeiter fit zu halten.

Es ist ein neuer Spitzenwert, den die Krankenkasse DAK Gesundheit zu vermelden hat. Im vergangenen Jahr waren 50,4 Prozent ihrer Mitglieder mindestens einmal krankgeschrieben. Damit erreichte der allgemeine Krankenstand den höchsten Wert seit 16 Jahren. 2014 waren es noch 48,2 Prozent gewesen.

Laut der DAK-Zahlen ist vor allem seit dem Jahr 2006 ein steigender Trend beim Krankenstand zu erkennen. Die Zahl der Fehltage hat sich seitdem um 28 Prozent erhöht. Für Arbeitgeber sind das keine schönen Zahlen. Immer wenn ein Mitarbeiter ausfällt, bedeutet das mehr Arbeit für die Kollegen und Produktionseinbußen. Und das kostet die Unternehmen einiges – rund 3 Milliarden Euro pro Jahr, schätzen Experten.

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Immer mehr Firmen bieten daher ein betriebliches Gesundheitsmanagement, kurz BGM, an. Einzelne Antistress- oder Rückenkurse, Salatwochen in der Kantine oder ergonomische Arbeitsplätze kann man nicht dazuzählen. Erst wenn diese Instrumente systematisch angegangen, in ein betriebliches Konzept gegossen und immer wieder weiterentwickelt werden, handelt es sich um ein BGM.

Gerade größere Unternehmen haben oft ein betriebliches Gesundheitsmanagement eingeführt. So zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit, dass rund 60 Prozent der Unternehmen mit mindestens 1.000 Mitarbeitern ihren Angestellten entsprechende Maßnahmen anbieten. Bei den mittelgroßen Unternehmen mit 100 bis 250 Beschäftigten sind es nur noch 39 Prozent, bei einer Unternehmensgröße von unter 50 Mitarbeitern sogar nur 9 Prozent.

Oft ein Ressourcen-Problem

Woran eine Umsetzung oftmals scheitert, ist das Tagesgeschäft – es hat bei vielen Unternehmen den eindeutigen Vorrang. Eng damit verwoben ist auch die Knappheit an personellen Ressourcen – wer soll die zusätzlichen Aufgaben übernehmen, die mit einem betrieblichen Gesundheitsmanagement anfallen?

Kosten spielen bei diesen Überlegungen ebenfalls oft eine Rolle. Dabei bietet das BGM eine Reihe von Vorteilen. „Es hilft dabei, psychische und physische Belastungen am Arbeitsplatz zu senken, verbessert die Motivation und das Engagement der Mitarbeiter, reduziert Arbeitsunfähigkeitstage und damit Krankheitskosten im Unternehmen“, sagt Hans-Joachim Kuchem, der das Thema BGM im Personalbereich der Zurich verantwortet.

Nachweislich weniger Fehlzeiten

Und das nachweislich. So haben Untersuchungen ergeben, dass sich bei Mitarbeitern, die an Programmen zur Gesundheitsförderung teilnehmen, die krankheitsbedingten Fehlzeiten um 12 bis 36 Prozent verringern, berichtet die DAK. Für jeden Euro, den Unternehmen in Gesundheitsförderung stecken, sollen sie bis zu 10 Euro durch reduzierte Kosten für Fehlzeiten sparen können.

Aber auch in die Zukunft gerichtet ergibt ein betriebliches Gesundheitsmanagement Sinn, erklärt Andreas Gent, Vorstandsmitglied der Hanse-Merkur Krankenversicherung: „Der demografische Wandel führt zu einer Konkurrenz um gute Arbeitskräfte. In dieser Situation ist es wichtig, junge Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden und ältere dabei zu unterstützen, möglichst lange gesund zu bleiben.“

Voraussetzungen für den Erfolg

Damit das betriebliche Gesundheitsmanagement erfolgreich ist, müssen aber auch einige Faktoren gegeben sein. „Zum einen ist ein grundsätzliches Commitment auf Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite von Vorteil, um eine gute Akzeptanz im Unternehmen zu erzielen“, sagt Marco Burnus, Geschäftsführer des Gesundheitsdienstleisters der Gothaer, Medi-Expert. „Zum anderen sollte ein zentrales Budget bereitgestellt werden, um ein laufendes Angebot gewährleisten zu können“, so Burnus weiter. Sonst gerate das Angebot nämlich schnell ins Stocken, sobald im Tagesgeschäft andere Themen priorisiert würden.

Ein Schmankerl hierbei: „Bis zu 500 Euro pro Mitarbeiter und Jahr können Unternehmen laut Einkommensteuergesetz lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei für Maßnahmen der Gesundheitsförderung absetzen, ohne dass es zur Anrechnung eines geldwerten Vorteils auf Arbeitnehmerseite kommt“, erklärt Gent.

Erst den Bedarf checken

Wichtig ist das strukturierte Vorgehen bei der Einführung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements. „Vor lauter Tatendrang werden oft wie wild Maßnahmen initiiert, ohne zu wissen, welcher Bedarf tatsächlich besteht“, sagt Anke Lambrecht, Geschäftsführerin von Chorus Solutions. Sie und ihr Team begleiten gerade kleine und mittlere Unternehmen bei der Einführung eines BGM. „Der schnelle Erfolg bleibt dann aus, und das frustriert die Beteiligten.“

Bevor es losgeht, müssen etwa die Verantwortlichkeiten geklärt sein: Wer kümmert sich federführend um das Ganze? Am ehesten eignet sich die Einrichtung einer Projektgruppe, damit das Thema auch regelmäßig auf der Agenda steht. Dabei sollten mehrere Parteien im Boot sitzen, etwa die Unternehmensleitung, die Personalabteilung, der Betriebsrat und der Betriebsarzt. „Diese Projektgruppe muss dann den Ist-Stand des Unternehmens analysieren“, sagt Lambrecht. Welche Faktoren beeinflussen die Gesundheit der Mitarbeiter? Wo liegen Missstände vor? Anhaltspunkte liefern hier etwa Fehlzeiten oder eine Befragung der Mitarbeiter.

Ziele festlegen

Im nächsten Schritt legt die Arbeitsgruppe Ziele und Prioritäten des BGM fest. Was will das Unternehmen erreichen? Sich als „gesunde Organisation“ positionieren? Die Zufriedenheit der Mitarbeiter erhöhen? Krankheitsbedingte Fehltage reduzieren? Hier müssen die Akteure konkret werden. Dann geht es an die Planung und Durchführung der einzelnen Maßnahmen. Lambrecht: „Als letzten Schritt müssen Unternehmen den Erfolg messen und eine kontinuierliche Verbesserung anstreben.“

Die Auswahl, was man an einzelnen Fördermaßnahmen anbieten kann, ist dabei riesig. Unternehmer müssen hier Prioritäten setzen und überlegen, welche Maßnahme für das vorher gesetzte Ziel geeignet ist. Versicherer bieten in der Regel auch bei sich im Hause ein betriebliches Gesundheitsmanagement an, sie haben also Erfahrungswerte, was besonders nachgefragt ist. Bei der VHV-Gruppe sind das beispielsweise Sport- und Präventionsangebote, sagt Unternehmenssprecher Stefan Lutter. „Besonders gerne angenommen werden Rückenschule, Pilates, Massagen und das Abnehmprogramm Weight Watchers“, sagt er.

Schrittzähler und Stressmanagement

Bei der Hanse-Merkur waren Schrittzähler ein großer Erfolg. „Die Hälfte aller Mitarbeiter der Hauptverwaltung hat sich daran beteiligt“, so Vorstand Gent. Hoch im Kurs stünden auch Laufkurse, Yoga, Sehtests und Impfaktionen wie die jährliche Grippe-Impfung. „Stressebewältigungsseminare für Mitarbeiter sind ebenfalls ein Dauerbrenner“, ergänzt BGM-Expertin Lambrecht.

Von Unternehmerseite kämen Gesundheitstage gut an, meint Marco Burnus von Medi-Expert. „Im Rahmen unseres Medi-Days stehen den Mitarbeitern verschiedene Check-ups zu den Themen Rückengesundheit, Stress, Herz-Kreislauf-Belastung und Ernährung im Unternehmen offen“, sagt er. Das Unternehmen erhalte anschließend eine anonyme Auswertung über den Gesundheitsstatus seiner Belegschaft.

Einstieg ins Firmengeschäft

Burnus: „Zum anderen sind unsere arbeitsplatzzentrierten Maßnahmen, bei denen Coaches die Mitarbeiter direkt am Arbeitsplatz mit verschiedenen Angeboten zu den oben genannten Themen besuchen, ein Dauerbrenner.“ Auf diese Weise erreiche die Gothaer in der Regel 60 bis 80 Prozent der Belegschaft.

Und warum lohnt sich das betriebliche Gesundheitsmanagement für Berater? Nun, sie bekommen zum Beispiel eine Provision für die Vermittlung von Gesundheitstagen. Einen weiteren Grund nennt Burnus: „Bietet der Berater BGM in Kombination mit Produkten der betrieblichen Krankenversicherung an, kann er sich zum Thema Mitarbeitergesundheit profilieren. BGM ist im Moment in aller Munde und stellt so einen hervorragenden Türöffner für das Firmengeschäft dar.“

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