Pfefferminzia: Nimmt die Bedeutung der betrieblichen Krankenversicherung (bKV) zu?
Ulrich Neumann: Ja, die Bedeutung der bKV nimmt sukzessive zu, was die positive Entwicklung der Bestandszahlen belegt. Arbeitgeber erkennen immer mehr, dass es sich lohnt, in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu investieren. Eine bKV bietet eine im Verhältnis preiswerte Möglichkeit, die Attraktivität des eigenen Unternehmens zu steigern und sich von Mitbewerbern abzugrenzen. Dies bietet Vorteile bei der Mitarbeiterbindung und der Suche nach Fachkräften.
Neben der arbeitgeberfinanzierten bKV bieten viele Arbeitgeber ihren Mitarbeitern durch Abschluss eines Gruppenversicherungsvertrages die Möglichkeit, bKV-Tarife eigenfinanziert abzuschließen. So kommen Mitarbeiter in den Genuss preisgünstiger und leistungsstarker Kranken-Zusatztarife mit besonderen Zugangsbedingungen, wie zum Beispiel den Verzicht auf eine Gesundheitsprüfung.
Welche Module sind bei der bKV am stärksten nachgefragt?
Im Bereich der Arbeitgeberfinanzierung die Leistungsbausteine Stationär und Vorsorge, im Bereich der Arbeitnehmerfinanzierung die Leistungsbausteine Zahn und Stationär.
Wie sieht es mit einer Gesundheitsprüfung aus: Ab wie vielen Mitarbeitern entfällt sie oder wird vereinfacht?
Im Bereich der Arbeitgeberfinanzierung verzichten wir bei einer Durchdringung der Belegschaft von mindestens 90 Prozent beziehungsweise bei mindestens 20 Mitarbeitern in allen Leistungsbausteinen auf eine Gesundheitsprüfung. Im Bereich Zahn entfällt die Gesundheitsprüfung bereits bei einer Durchdringung von 90 Prozent und 5 Mitarbeitern. Jeder Mitarbeiter wird versichert.
Im Bereich der Arbeitnehmerfinanzierung verzichten wir ab 50 Mitarbeitern pro Tarif auf die Gesundheitsprüfung. Der Mitarbeiter muss lediglich bestätigen, dass er in den letzten zwölf Monaten vor der Anmeldung nicht mehr als 20 Tage arbeitsunfähig war. Da aber für die Gothaer eine Antragsannahmeverpflichtung besteht, erhalten auch Mitarbeiter, die die Erklärung nicht abgeben können, Versicherungsschutz. Gegebenenfalls wird im Einzelfall ein medizinischer Wagnisausgleich oder ein Leistungsausschluss vereinbart.
Worauf kommt es bei der Vermittlung einer bKV an?
Neben dem Produktwissen ist es wichtig, dass der Vermittler den Firmenkunden auch auf die steuerlichen Auswirkungen einer arbeitgeberfinanzierten bKV und insbesondere die Möglichkeit der Pauschalversteuerung hinweisen kann.
Wie sieht es mit dem Preis beim arbeitnehmerfinanziertem Modell aus? Was kostet es etwa einen 35-jährigen Ingenieur, der über den Betrieb ein Paket mit Zahnersatz, Erstattung 80 Prozent, und Chefarztbehandlung im Zweibettzimmer abschließen will? Und was würde es den gleichen Kunden kosten, wenn er dieses Paket auf „normalem Weg“ kauft?
Über den Betrieb würde dieser für die Tarife Medi Group Z und Medi Group S 2 22,75 Euro im Monat bezahlen. Im Einzelpaket würden die gleichen Leistungen 45,89 Euro monatlich kosten.
Was passiert mit dem Vertrag, wenn der Arbeitnehmer in Rente geht oder den Betrieb wechselt? Wie sieht es bei Elternzeit aus?
Wenn ein Mitarbeiter in Rente oder in Elternzeit geht, kann er im bKV-Tarif verbleiben. Bei Arbeitsgeberwechsel kann der Mitarbeiter ohne erneute Gesundheitsprüfung in einen Einzeltarif wechseln.