Kostendeckel soll weg

EU entschlackt Pepp, Branche freut sich

Die Europäische Union will den Flop ausbügeln, den sie mit ihrer Europarente, dem Pepp hingelegt hat. Ermöglichen soll das ein neues Rentenpaket, das Pepp-Mängel beseitigt.
© picture alliance / dts-Agentur | -
Gebäude mit Sitz der EU-Kommission in Brüssel: Rentenpaket vorgeschlagen

Rentenpakete gibt es nicht nur in Berlin. Auch die Europäische Union (EU) will nun ein solches schnüren. Das von der Europäischen Kommission vorgestellte Reformprojekt trägt den Namen „Supplementary Pension Package“ und soll insbesondere das bislang höchst unbeliebte Pan-European Personal Pension Product (Pepp) auf Vordermann bringen. Allerdings muss der Plan noch das Europäische Parlament und den Rat passieren.

Pepp läuft auch unter dem Namen Europarente und sollte mit Start im Jahr 2022 betriebliche Altersversorgung (bAV) über Grenzen hinweg verbreiten. Doch das funktionierte überhaupt nicht, wie zuletzt auch der Europäische Rechnungshof anprangerte (es gibt heute europaweit nur zwei Pepp-Anbieter). Er machte zwei Hauptprobleme aus:

  • Die Mitgliedstaaten bieten keine harmonisierten steuerlichen Anreize oder sie bieten bereits steuerliche Anreize für nationale Altersvorsorgeprodukte, die mit dem Pepp konkurrieren.
  • Für Pepp gilt eine jährliche Obergrenze von einem Prozent für Kosten und Gebühren, die für andere Finanzprodukte nicht existiert. Folglich gibt es nur wenige Anreize für Finanzinstitute, ein solches Produkt anzubieten.

Außerdem hemmt es, dass in der Europarente nationale Unterkonten für mindestens zwei EU-Staaten nötig und Verlustrisiken zu begrenzen sind. Gerade Letzteres ist von Anfang an das (teure) Problem der Riester-Rente in Deutschland.

Mehr zum Pepp-Flop lesen Sie hier.

Doch nun soll es besser werden, dafür soll das EU-Rentenpaket sorgen. Bürokratische Hürden sollen entfallen und vor allem: der Kostendeckel. Auch müssen Anbieter nicht mehr das bisher als Pflicht festgelegte Basis-Pepp als Minimalvariante vorhalten. Sie können eigene Produkte entwickeln und schauen, wie der Markt darauf reagiert. Das unterstreicht auch die Kommission, indem sie selbst davon schreibt, dass Anbieter für ihre Kunden maßgeschneiderte Pepps entwickeln können.

Mehr zum Thema

Eiopa legt Umsetzungsentwurf für Europarenten vor

Seit 2017 tüftelt die EU-Kommission schon an dem Projekt Pepp – einem europaweit gültigen Rentenkonzept…

Fehlstart von PEPP muss deutliches Warnsignal für Bundesregierung sein

Ab dem 22. März dürfen Versicherungs- und Kapitalanlageprodukte vertrieben werden, die dem europäischen Regulierungsrahmen für…

Rechnungshof schimpft über die EU wegen Pepp und bAV

Der Europäische Rechnungshof zeigt sich sicher: Das von der Europäischen Union (EU) eingeführte europaweite private…

Das EU-Rentenpaket bekommt einigen Beifall von Branchenverbänden, und zwar gleichermaßen aus Investment- und Versicherungsbranche. Das kommt nicht allzu oft vor.

„Das neue Pepp ist die Chance, die Weichen für eine zukunftsfeste Altersvorsorge in der EU zu stellen. Es schafft die Möglichkeit, einfache und integrierbare Produkte anzubieten, die Menschen EU-weit eine verlässliche Zusatzvorsorge ermöglichen“, sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Ebenfalls erfreut, aber dann auch wieder skeptisch äußert sich Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des Investmentverbands BVI: „Der Wegfall des Kostendeckels beim Pepp beseitigt eine zentrale Hürde. Jedoch ist fraglich, ob die EU-Länder die notwendige steuerliche Förderung gewähren werden. Ohne steuerliche Anreize wird das Produkt auch künftig nicht erfolgreich sein. In Deutschland wird das geplante steuerlich geförderte Altersvorsorgedepot die attraktivere Alternative für Sparer sein.“

Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) reagiert zunächst angetan auf die Pläne zur Europarente. „Wir haben von Anfang an darauf hingewiesen, dass der Kostendeckel von einem Prozent und die fehlende Möglichkeit einer qualifizierten Beratung die größten Schwachstellen des Pepp sind“, erklärt BVK-Präsident Michael H. Heinz. „Die nun vorgesehene Abschaffung des Kostendeckels ist ein entscheidender Schritt in die richtige Richtung. Sie ermöglicht endlich eine qualitativ hochwertige Beratung, die für eine sichere Altersvorsorge unverzichtbar ist.“

Doch dann das große Aber: Denn dem BVK missfällt nach wie vor, dass das Basis-Pepp weiter ohne Beratung angeboten werden soll. „Altersvorsorge ist komplex und erfordert individuelle Lösungen. Ein Produkt ohne Beratung birgt erhebliche Risiken für Verbraucher, die ihre Entscheidungen oft nicht allein auf Basis von Informationsmaterial treffen können“, so Heinz weiter.

Der BVK fordert daher, dass auch für das Basis-PEPP zumindest eine verpflichtende Beratung vor Vertragsabschluss vorgesehen wird, um Fehlentscheidungen und Versorgungslücken zu vermeiden.

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Pfefferminzia