Reformvorschläge der ALH

So werden Rente und Pflege wieder finanzierbar

Über eine Reform von Rente und Pflege diskutiert die CDU aktuell mit der SPD in den Sondierungsgesprächen. Welche Maßnahmen die Politik konkret ergreifen könnte, um Rente und Pflege finanzierbar zu machen, darüber hat sich der Vorstand der ALH-Gruppe Gedanken gemacht.
Firmensitz der ALH-Gruppe: Der Vorstand der ALH-Gruppe hat Ideen, um Rente und Pflege besser finanzieren zu können.
© picture-alliance / dpa | Oliver Berg
Firmensitz der ALH-Gruppe: Der Vorstand der ALH-Gruppe hat Ideen, um Rente und Pflege besser finanzieren zu können.

Die Themen Rente und Pflege scheinen bei den aktuellen Sondierungsgesprächen der CDU und SPD eher in den Hintergrund zu treten. Denn zur Altersvorsorge haben CDU und SPD in ihrem Sondierungspapier nur einen dürren Satz stehen: „Zusätzlich werden wir die bAV und pAV stärken.“ Und das kann prinzipiell alles mögliche bedeuten.

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Aber das Thema Rente wiegt schwer, sagt Christoph Bohn, Vorstandschef der ALH-Gruppe, bei der Jahrespressekonferenz des Konzerns. Wie schwer, dazu hat er ein paar Zahlen parat:

  • Die gesetzliche Rente wird aktuell mit 112 Milliarden Euro pro Jahr vom Bund bezuschusst.
  • Dieser Betrag entspricht 26 Prozent des Bundeshaushalts.

Und diese Beträge werden bei der demografischen Entwicklung nicht weniger wichtig. „Es geht um strukturelle Fragen der Altersvorsorge und die sind durch ein Sondervermögen erstmal nicht zu lösen“, so Bohn.

Daher machte sich der Vorstand der ALH-Gruppe Gedanken darüber, was die größten Hebel sind, um bAV, pAV und Pflege wieder auf Kurs zu bringen.

Den Schutz vor Altersarmut kann man laut Vorstandsmitglied Jürgen Bierbaum mit folgenden politischen Maßnahmen erreichen:

  • mit einer Geringverdienerförderung und
  • mehr Zugang zu Opt-out-Modellen.

Bei der betrieblichen Altersversorgung geht es vor allem um eine bessere Durchdringung. Unternehmen und Mitarbeitende, die eine bAV haben, sind relativ gut abgesichert – die anderen nicht.

Die Altersvorsorge von Geringverdienern mehr fördern

Die Altersvorsorge von Geringverdienern sollte die Politik laut Bierbaum mehr fördern: Die Einkommensgrenze, bis zu der man als Geringverdiener förderfähig ist, liege seit Jahren bei einem monatlichen Bruttolohn von 2.575 Euro. Diesen Betrag sollte die Politik dynamisieren, damit Geringverdiener nicht zu schnell wegen der Lohnentwicklung aus der Förderung herausfallen. 20 Euro pro Monat seien für Geringverdiener bereits ein hoher Beitrag. Diese Beiträge mehr zu incentivieren, wäre aus Bierbaums Sicht „eine gute Idee“.

Eine zweite wichtige Maßnahme für eine bessere Altersvorsorge besteht darin, dafür zu sorgen, dass mehr Firmen Opt-out-Modelle nutzen. Im Moment ist es so geregelt, dass nur tarifgebundene Firmen diese Maßnahmen nutzen können. Diese Möglichkeit sollte künftig aber allen Betrieben, auch ohne tarifliche Bindung, offenstehen.

Welche Änderungen sich der ALH-Vorstand für die private Altersvorsorge und die Pflegeversicherung wünscht, lesen Sie hier.

Flexible Ansparphase und flexible Rentenphase

Für die private Altersvorsorge wünscht sich die ALH, dass Personen nicht nur ihre Ansparphase flexibel gestalten können, sondern auch ihre Rentenphase. Denn wenn eine Person durch eine chancenreichere Kapitalanlage ein Prozent mehr Zins erwirtschafte, dann entspricht das für einen 67-Jährigen, der in Rente geht, einem Plus von 14 Prozent an Rente, rechnet Bierbaum vor.

„Mit anderen Worten: da könnte man eine ganze Menge mehr herausholen, wenn man von dem Paradigma, dass Renten nicht schwanken dürfen, abrückt.“

Für die Pflegeversicherung hält die ALH-Gruppe Eigenverantwortung für den entscheidenden Schlüssel zum Erfolg. „Wir brauchen in der Pflege mehr Eigenverantwortung, also auch mehr private Eigenvorsorge und einen Stopp der Leistungsausweitungen“, erklärt Wiltrud Pekarek, Vorständin der ALH-Gruppe.

Private Pflegeversicherung muss in der Breite der Gesellschaft ankommen

Wie das funktionieren soll? „Die private Pflegeversicherung muss in der Breite der Gesellschaft ankommen und das System entlasten. Eigenverantwortung ist zumutbar und auch finanzierbar“, ist Pekarek überzeugt.

Mit 70 Euro pro Monat könne sich eine 35-Jährige Person laut Pekarek häufig schon eine sehr gute Pflegezusatzabsicherung aufbauen. „Die Tatsache, dass wir aktuell bereits über 40 Prozent an Sozialversicherungsausgaben haben, ist auf Dauer nicht mehr finanzierbar. Wir brauchen dafür auch mehr steuerliche Förderung im privaten Bereich“, so Pekarek weiter.

Autorin

Barbara Bocks ist seit 2011 als Journalistin im Wirtschafts- und Finanzbereich unterwegs. Seit Juli 2024 ist sie als Redakteurin bei der Pfefferminzia Medien GmbH angestellt.

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