Im Jahr 2021

Naturkatastrophen kosten Versicherer weltweit 120 Milliarden Dollar

Stürme, Hochwasser, Waldbrände, Erdbeben – weltweit haben Naturkatastrophen im vergangenen Jahr deutlich höhere Schäden verursacht als in den beiden Jahren zuvor. Vorläufigen Daten des Rückversicherers Munich Re zufolge mussten die Versicherer für Schäden im Wert von 120 Milliarden US-Dollar aufkommen.
© picture alliance / Zoonar | Stefan Ziese
Die Schäden im Ahrtal durch die Flutkatastrophe im Sommer des vergangenen Jahres waren verheerend: Das Jahr 2021 war weltweit geprägt von schlimmen Naturereignissen.

Immer häufiger bekommen weite Teile der Welt die Wucht des Klimawandels zu spüren. So verursachten Naturkatastrophen im vergangenen Jahr erheblich höhere Schäden als noch 2020 und 2019. Wie der Rückversicherer Munich Re berichtet mussten die Versicherer 2021 weltweit für Schäden in Höhe von 120 Milliarden US-Dollar aufkommen – das sind rund 106 Milliarden Euro.

Zum Vergleich: Im Jahr zuvor hatten die versicherten Schäden 82 Milliarden US-Dollar (rund 72 Milliarden Euro) betragen, 2019 waren es 57 Milliarden US-Dollar (rund 50 Milliarden Euro). Die Versicherungslücke, also der nicht versicherte Anteil, ging durch einen hohen Schadenanteil in den USA etwas zurück, betrug aber noch rund 57 Prozent. Die traurige Bilanz: Knapp 10.000 Menschen kamen 2021 bei Naturkatastrophen ums Leben; und damit ähnlich viele wie in den Vorjahren.

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Insgesamt schätzt die Munich Re die Höhe aller Schäden aus dem vergangenen Jahr – also versicherte und nicht versicherte Schäden – auf 280 Milliarden US-Dollar (rund 247 Milliarden Euro). Ein sehr hoher Anteil davon entfiel auf die USA: rund 145 Milliarden US-Dollar (rund 128 Milliarden Euro). Davon waren etwa 85 Milliarden US-Dollar (rund 75 Milliarden Euro) versichert. Die Gesamtschäden und die versicherten Schäden lagen damit deutlich über denen der Vorjahre (Gesamtschäden 2020: 100 Milliarden US-Dollar, 2019: 52 Milliarden US-Dollar; versicherte Schäden 2020: 67 Milliarden US-Dollar, 2019: 26 Milliarden US-Dollar).

Das Naturgefahrenjahr 2021 in Europa

In Europa verursachte vor allem Starkregen im Juli lokal verheerende Schäden, insbesondere im Westen Deutschlands. In den betroffenen Regionen regnete es durch das Tiefdruckgebiet „Bernd“ so stark wie sonst nur etwa einmal in 100 Jahren. Die Folge waren Sturzfluten an Nebenflüssen wie der Ahr in Rheinland-Pfalz, die auch ganze Gebäude wegrissen. Hohe Schäden entstanden an der Infrastruktur wie Bahnlinien, Straßen und Brücken. Mehr als 220 Menschen kamen ums Leben.

Die Gesamtschäden betrugen laut Munich Re rund 46 Milliarden Euro davon rund 33 Milliarden in Deutschland. Der versicherte Anteil war wegen der unversicherten Infrastrukturschäden und der begrenzten Versicherungsdichte für Hochwasser in Deutschland geringer: 11 Milliarden Euro trugen die Versicherer, davon nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) 8,2 Milliarden in Deutschland. Es war die bislang teuerste Naturkatastrophe in Deutschland und Europa. Über die gesamte Naturgefahrenbilanz 2021 des GDV haben wir bereits berichtet.

„Anpassung an steigende Risiken wird eine Herausforderung“

„Die Katastrophen-Statistik 2021 ist auffällig“, kommentiert Ernst Rauch, Chef-Klimatologe und Leiter der Abteilung Climate Solutions bei der Munich Re, die Ergebnisse. „Denn etliche der extremen Unwetterereignisse gehören zu jenen, die durch den Klimawandel häufiger oder schwerer werden. Dazu gehören Schwergewitter in den USA auch im Winterhalbjahr. Oder auch Starkregen mit Hochwasser in Europa.“ Auch wenn Ereignisse nicht einfach dem Klimawandel zugeordnet werden könnten, so liefere die Analyse der Veränderungen über Jahrzehnte hinweg „plausible Indizien für einen Zusammenhang mit der Erwärmung der Atmosphäre und Ozeane“, so Rauch. „Die Anpassung an steigende Risiken durch den Klimawandel wird eine Herausforderung.“

Das Problem: Im weltweiten Maßstab waren 2021 etwa 57 Prozent der Schäden durch Naturkatastrophen nicht versichert. Betroffene müssen die finanziellen Schäden deshalb selbst tragen oder sind auf Hilfen angewiesen. In Industrieländern ist diese Versicherungslücke laut der Munich Re in den vergangenen Jahrzehnten geschrumpft, während sie in ärmeren Ländern unverändert bei mehr als 90 Prozent liegt.

Und: In Industrieländern hängt der Anteil der versicherten Schäden von den jeweiligen Naturgefahren ab. So ist in den USA wie in Europa bei Überschwemmungen die Versicherungsdichte deutlich niedriger als bei Stürmen. In den USA ist Infrastruktur teilweise versichert, in Europa dagegen kaum. „Eine höhere Versicherungsdichte kann dazu beitragen, dass betroffene Menschen und Länder die finanziellen Folgen einer Katastrophe besser verkraften und zu einem normalen Leben zurückkehren können“, so Ernst Rauch abschließend.

Eine Übersicht über die schlimmsten Naturkatastrophen des vergangenen Jahres bietet die folgende englischsprachige Grafik (diese können Sie hier vergrößern).

Quelle: Munich Re

Autorin

Juliana Demski gehörte dem Pfeffi-Team seit 2016 an. Sie war Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Das Unternehmen hat sie im Januar 2024 verlassen.

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