Viele Menschen wechseln im Herbst ihre Kfz-Versicherung, um Kosten zu sparen. Dabei sollten sie aber nicht die Leistungen der Produkte aus den Augen verlieren, warnt das Analysehaus Franke und Bornberg. Denn die Qualitätsspannbreite ist enorm, wie das aktuelle Kfz-Rating des Hauses offenbart hat. 159 Tarife von 81 Gesellschaften haben die Analysten dafür untersucht.
„Vor einem Jahr haben wir unsere Rating-Kriterien deutlich nachgeschärft. Seitdem, also in weniger als zwölf Monaten, ist die Qualität der Kfz-Tarife spürbar gestiegen“, sagt Michael Franke, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von Franke und Bornberg. Das unterstreiche die scharfe Konkurrenz in der Autoversicherung. Versicherer setzten auf die von Franke und Bornberg definierten Qualitätskriterien, um ihre Position im Wettbewerb auszubauen.
Als Beispiel nennt Franke die Kaufpreisentschädigung: „Seit wir die 24-monatige Kaufpreisentschädigung zum Mindeststandard für unsere Bestnote FFF+ erklärt haben, wird dieses Feature immer häufiger angeboten“, so Franke. Von dieser Entwicklung profitierten vor allem Verbraucher. Im Vergleich zum letzten Marktüberblick beobachtet Franke noch weitere positive Trends. So stiegen die Leistungsgrenzen bei Schäden durch Kurzschluss oder Tierbiss von Jahr zu Jahr. Erweiterungen für Elektrofahrzeuge würden immer häufiger in die Produkte integriert. Auch hier werde der Leistungsrahmen kontinuierlich ausgeweitet.
Nachjustierung bei den Rating-Kriterien
An den Kriterien für das aktuelle Kfz-Rating hat Franke und Bornberg gegenüber dem Vorjahr nur wenig geändert. Weggefallen ist der Aspekt „Verbesserte Rückstufung im Schadenfall“, weil die Musterbedingungen des GDV keine Rückstufungstabellen mehr vorgäben (AKB 2015 – Stand: 28.05.2021). Das mache einen Standard überflüssig, heißt es.
Außerdem haben die Analysten das Kriterium „Erweiterung der Elementargefahren“ in die fünf Einzelkriterien Lawine, Erdrutsch, Erdsenkung, Vulkanausbruch und Erdbeben aufgelöst. Auf diese Weise werde eine bessere Differenzierung möglich, da nicht jeder Versicherer alle Aspekte absichere, erklärt das Analysehaus.
Die besten Kfz-Versicherer
33 Tarife erreichten in diesem Jahr die Top-Bewertung FFF+ (hervorragend). Ein Jahr zuvor war es nur 13 von 177 analysierten Tarifen. Die folgenden Kfz-Versicherer haben für einen oder mehrere Tarife die Bestnote (FFF+) erhalten (in alphabetischer Reihenfolge):
- ADAC
- Allianz
- Alte Leipziger
- Axa
- Basler
- Concordia
- DBV
- Dialog
- Feuersozietät
- Generali
- Hamburger Feuerkasse
- HDI
- Huk24
- Huk-Coburg
- Itzehoer
- Kravag Logistic
- Mecklenburgische
- Nürnberger Allgemeine Versicherung AG
- ÖVBS
- Provinzial Nord
- R+V
- Rheinland
- Rhion
- Saarland
- Universa
- Versicherer im Raum der Kirchen
- Versicherungskammer Bayern
- VHV
- Westfälische Provinzial
- WGV
- Württembergische
- WWK
Megatrends E-Mobilität und Cyber
Als einen Megatrend in der Kfz-Branche sieht das Analysehaus die Elektromobilität. Denn die Zahl der Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen wachse stetig. Von Januar bis September 2021 wurden mit rund 236.700 bereits mehr Autos mit reinem Elektroantrieb neu zugelassen als im gesamten Vorjahr. Im Vorgriff auf diese Entwicklung hat Franke und Bornberg Aspekte der E-Mobilität bereits 2020 in die Rating-Kriterien aufgenommen.
Wie sich der Markt in Zukunft entwickeln werde, sei dabei noch nicht entschieden. Denn was gut für die Umwelt sei, könne für Versicherer teuer werden. Elektroautos zu reparieren, koste aktuell häufig mehr als bei Verbrennern. Trotzdem ist Michael Franke überzeugt: „Spezieller Versicherungsschutz für Elektro- und Hybridfahrzeuge wird sich durchsetzen und zu einem wichtigen Qualitätskriterium entwickeln. Die Gesellschaften sind gut beraten, ihre Kundinnen und Kunden auf dem Weg in eine CO2-neutrale Zukunft zu begleiten.“
Markt nicht Tesla & Co. überlassen
Wer dieses Segment nicht adäquat besetze, verabschiede sich von einem entscheidenden Geschäftsfeld. Zudem biete die Versicherung von E-Mobilität die Chance, auch im Kfz-Geschäft Nachhaltigkeit unter Beweis zu stellen. „Innovative Telematik-Versicherungen den Kfz-Herstellern wie Tesla & Co. zu überlassen, wäre höchst fahrlässig“, warnt Franke.
Die Absicherung von Cyber-Risiken innerhalb der Kfz-Versicherung reiche ebenfalls deutlich über einen kurzlebigen Trend hinaus. Risiken durch autonomes Fahren und Hacker-Angriffe seien noch längst nicht bewältigt. Noch immer sei nicht zuverlässig geklärt, in welchen Fällen spezieller Cyber-Schutz tatsächlich sinnvoll sei. Bis heute konnten sich deshalb noch keine Cyber-Standards im Markt etablieren, heißt es von Franke und Bornberg weiter. Das dynamische Wachstum der E-Mobilität dürfte aber auch hier die Entwicklung beschleunigen, sind die Analysten überzeugt. Bei Franke und Bornberg bleibe der Cyber-Schutz auf der Watchlist.